Einfach

Daß Staubsaugen für mich Meditation in Bewegung ist, hatte ich schon mal geschrieben. Eine Woche im Schweigekloster oder einen Spaziergang durch die Wüste brauche ich nicht – eine halbe Stunde mit meinem Staubsauger reicht.

Es gibt Fragen, deren Antwort sehr binär ist – ja oder nein – und dann wieder unendlich kompliziert. Gerade eben kam eine solche Antwort, und viel wichtiger, der Weg dorthin. Und der Grund, warum ich das hier schreibe, ist die Tango-Analogie dabei.

Egal ob die Endphase einer Aufforderung akustisch oder optisch abläuft – es gibt eine Vorgeschichte. Oder es sollte sie geben. Ich spreche vom Wollen auf beiden Seiten. Ein Tanz kann zustandekommen, weil die Alternative Sitzen wäre. Möglichkeiten, Kompromisse zu machen, gibt es viele – die Musik kann nicht wirklich inspirierend sein; man hat vielleicht die Partnerin schon mal „ausprobiert“ und weiß, daß es sich nicht optimal anfühlt. Am anderen Ende der Skala wird natürlich statistisch gesehen die Luft dünn – die perfekte Musik, die perfekte Partnerin und dann noch eine Ronda, die den notwendigen Raum bietet, sich auch körperlich so auszudrücken, daß das volle Genußpotential stattfinden kann. Wir sollten also eher von einer Zone sprechen, eine Meßlatte, die nicht am höchsten denkbaren Punkt liegt.

Mit den Analogien ist es so eine Sache. Sie tragen ein Stück weit. Wenn man ihnen aber zuviel  zumutet, brechen sie auf unelegante Weise zusammen und verlieren dann auch die Funktion, für die sie eigentlich gut gewesen wären. Also noch ein letzter Blick in die Tangowelt, bevor es dann wieder zurück geht: Eine Supertänzerin, die einfach nur ein bißchen Bewegung will und beim Tanzen nebenher noch ein paar vierdimensionale Differentialgleichungen im Kopf löst, kann sicher rein technisch mehr abliefern und vielleicht sogar ein tolleres Tanzerlebnis erzeugen als jemand, die vor Verlangen und Motivation glüht und einfach nicht fürs Tanzen geschaffen ist (übrigens: ich verwende diese simple Beschreibung nur der Klarheit halber. Ich bin durchaus in der Lage zu erkennen, daß im entsprechenden Kontext ich derjenige sein könnte, dem die Skills fehlen).

Ich glaube, die wichtigste Essenz ist dieses Gewollt-werden. Gerne ein Ja, aber: ja, aber nur diese Tanda. Ja, aber nur gemeinsame Theaterbesuche und keine Berührungen. Ja. Aber nur wilde, zügellose Nächte und kein Gequatsche davor oder danach.

Nur nicht ein Ja, wenn: Wenn Du den Bart abrasierst. Wenn Du nicht mehr jeden Juni mit Deinen Motorradkumpels die Baja California langfährst. Kein „die Hardware nehme ich schon mal, wir kriegen da schon eine andere Software drüberinstalliert“.

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Something old, something new, something borrowed, something blue

Offends you my driving does?

A shit I don’t give

(Master Yoda Merchandise, vermutlich unautorisiert)

Nein, es soll hier nicht um die Tardis gehen. Sondern um ein paar Sachen aus meinem Zettelkasten – wer einen gemeinsamen Nenner findet, darf ihn behalten.

Fangen wir mit „old“ und gleichzeitig „borrowed“ an: Ein Blogpost von Vio, der schätzungsweise aus 2014 stammt (ein Datum an solchen Posts wäre schick): Fundamentalism.

Ich erlaube mir mal eine freie Übersetzung (unautorisiert, hoffe, das ist okay, Vio…)

Um 2014 sieht der globale hegemoniale Standpunkt zum Tango so aus: Er nennt sich selbst „Social Dancing“ und basiert auf den Elementen (angeblicher) Traditionalismus, Inklusivität (über Level hinweg, aber innerhalb von Freundeskreisen oder Cliquen) sowie Popularisierung in Form eines niedrigen Stellenwerts von Leistung und harter Arbeit.

Die definierenden Merkmale sind:

  • Musik: Traditionelle Tangomusik, komponiert und eingespielt vor 1950, wird als besser zum Tangotanzen angesehen, weil sie musikalisch reicher und komplexer sei. Schnelle und rhythmische Musik wird dabei vorgezogen, weil sie eher den Anschein von Musikalität erzeugen kann, wenn mit untrainierten Führenden getanzt wird, die es nicht hinbekommen, dramatische Musik mit langsamen Schritten zu verbinden.
  • Führen: Ein guter Führender konstruiert einen physischen Rahmen und verwendet ein simples Vokabular, um auch unerfahrenen Frauen eine nette Zeit auf der Tanzfläche zu bereiten.
  • Wahl der Tanzpartner: Männer sollten mit den Anfängerinnen tanzen, und können genauso gut die aussuchen, die am meisten sexy Beine zeigen. Umgekehrte Cabeceos sind okay, weil die Priorität der Führenden sozial und nicht künstlerisch ist.
  • Genuß: Der Genuß für die Führenden wird maximal, wenn es einen gleichmäßigen, reibungslosen Tanzfluß im gesamten Raum gibt, sie (von Folgenden) begehrt werden, eine schöne Umarmung genießen und die Musik würdigen können. Der Genuß für die Folgenden entsteht daraus, zärtlich, mit Musikalität, dominiert zu werden.
  • Sicherheit: Um die Sicherheit aller Tänzer zu gewährleisten, sollen große Schritte vermieden werden. Folgende sollen den Luftraum nicht für ihre Beine nutzen.
  • Stolz: Der Stolz der Führenden entsteht aus dem Besitz der Ronda, Meisterschaft (das Wörterbuch bietet hier auch „Überlegenheit“ an), Geschmeidigkeit und Eleganz. Er tut daher nur Dinge, bei denen er sich sicher ist, daß er sie in dieser Form beherrscht. Der Stolz der Folgenden entsteht aus dem Gehorsam.

Wenn Ihr mich fragt, klingt dieser Post im Englischen schon etwas mehr als nur ein klein wenig pissed. Ich habe daher bei der Wortwahl versucht, dieses Gefühl zu transportieren. Mit anderen Worten, es ist eine subjektive Interpretation. Aus der Position einer Tänzerin wie Vio (die ich wirklich beeindruckend finde) ist dieses Gefühl für mich vollkommen nachvollziehbar. Aber, Vio, kleiner Trost von mir: Modeströmungen sind wie Straßenbahnen…kommen immer neue. Und es können ja auch mehrere koexistieren, wenn das Soziotop groß genug ist.

A propos langsame Schritte und dramatische Musik: Ich erinnere mich an ein Youtube-Video mit Vio, bei dem sie irgendwo im Freien zu einer dubstep-artigen Musik tanzt. Trotz intensiver Suche (fast 10 Minuten!!) finde ich es nicht mehr. Stattdessen etwas Musik, bei dem ich mir Derartiges gut vorstellen kann:

Damit hätten wir dann auch „Blue“ abgedeckt.

Noch ein kleiner Querbezug zum Thema pissed – hatte ich hier schon mal geschrieben, daß der „Baaliner Kulturchauvinismus“ auf meiner Nüsse-Liste steht (Dinge, die mir auf die Nüsse gehen)? Was ich immer so über Berlinos Aires lese, ist natürlich ein Paradebeispiel für den (derzeit recht erfolgreichen) Versuch, eine positive Rückkopplung zu erzeugen – famous for being famous. Ein nettes Geschäftsmodell. Ich denke dabei an Autoren wie Ralf Sartori bzw an alle, die die Citizenship der behaupteten Tangometropole zum Aufpolieren des eigenen Halos nutzen, woraus sich wieder eine Mengenzunahme der Referenzen auf besagten Metropolenstatus ergibt und so weiter. Aber immerhin: In Berlinos Aires scheint es ja eine ziemlich bunte Mischung von Strömungen zu geben, ein variantenreiches Soziotop, in der Vios Spezies genauso gedeihen kann wie die Hardcore-Tradiszene.

Aber hey, Berliner, eure subventionsgefütterte Stadt ist auch nicht bunter als Metropolregionen wie, sagen wir mal, die flächenmäßig vergleichbar große Stadt Rhein-Main. Und dafür, daß eure PR-Abteilung mehr Feuerkraft hat, gibt es im Rhein-Main-Gebiet einen richtigen Flughafen. Abgesehen davon, schaut mal auf die Landkarte – eine der Städte ist europamäßig gesehen wirklich zentral – und Berlin ist es irgendwie nicht. Nicht mehr ganz Küstenrandregion und noch nicht Sibirien.

„New“: die Zeit wird knapp. Vor der Milonga heute nachmittag muß ich noch ein bißchen spielen gehen. Ich mogele mich mal grade billig aus der Affäre und behaupte, daß damit die Tatsache eines neuen Blogposts gemeint ist. Ach nein, Moment – es gibt, wie ich bei Gerhard gelernt habe, einen neuen Tangoblog: Abrazos.de. Oh.My.God.

Noch ein Goodie zur Kombination „Blue“ und „Old“, auch ein ganz netter Nontango:

 

 

Parship übernimmt Facebook

1.4.2018, Menlo Park/Hamburg

Bei zeitgleich anberaumten Pressekonferenzen in Menlo Park und Hamburg wurde heute von den Firmenchefs Mark Zuckerberg (Vorstandsvorsitzender, Facebook) und Tim Schiffers (Geschäftsführer, Parship) bekanntgegeben, daß Parship zum 1.8.2018 Facebook übernehmen wird. Zu diesem Termin wird dann auch der Werbeauftritt von Parship auf „Ich facebooke jetzt“ umgestellt.

Erste Reaktionen aus Analystenkreisen zeugen von völliger Überraschung, jedoch auch großer Begeisterung, die sich in einem Kursfeuerwerk ausdrückte. Vorbörslich notierten die Aktien von Parship 3127.3 % höher, während die Aktien von Facebook um 14.2% stiegen. „Im Nachhinein erscheint dieser Schritt vollkommen logisch“, sagte Abruilo Primero, die Sprecherin des Analystenhauses Cantor Fitzgerald, das auf Tech-Firmen spezialisiert ist. „Es gibt so viele Synergien, daß wir uns fragen, weshalb dies zuvor niemand erkannt hat“.

Beide Unternehmen betonten, daß es sich um eine freundliche Übernahme handele. Zuckerberg wörtlich: „I like Parship!“. Wie aus unternehmensnahen Kreisen zu erfahren war, war der Deal bereits vor mehreren Monaten unter völliger Geheimhaltung vorbereitet worden. Zu seinen Motiven befragt, sagte Zuckerberg: „Wir glauben, daß wir damit der gesamten Menschheit einen großen Gefallen tun und sie echt voranbringen. Außerdem hat es mich genervt, daß ich ständig mit Jeff Bezos um den Titel des reichsten Menschen der Welt konkurrieren mußte. Das war‘s dann wohl, Jeff!“.

Über die Details des Deals wurde Stillschweigen vereinbart. Analysten nehmen jedoch an, daß der Kaufpreis bei mehr als 600 Milliarden Dollar lag. Trotz der Verbilligung von Facebook durch die aktuelle Kursschwäche war die Finanzierung des Deals nur mit Fördermitteln der EU (Horizon 2020, „Make Europe digitally great again“) und des Bundeslands Bayern möglich; dafür soll der Firmensitz nach München verlegt werden. Zusammen ergab dies nach Abzug der Bürokratie-Aufwendungen allerdings nur einen Beitrag von 123 Euro und 22 Cent. Der Rest des Kaufpreises wurde dem Vernehmen nach über einen massiven Kredit einer ungenannten chinesischen Staatsbank finanziert. Auch hier sehen Eingeweihte deutliche Synergieeffekte für die zukünftige Expansion. China wird dabei als Testmarkt angesehen. Dort war ja bereits vor einiger Zeit ein Sozialpunktesystem angekündigt worden, das bestimmte Verhaltensweisen mit Bonus- oder Maluspunkten bewertet. Die Kombination von moderner Silicon-Valley-Technologie im Bereich Persönlichkeitsanalyse und mentale Beeinflussung mit langfristigen sozialpolitischen Zielen eröffnet gerade bei der Bevölkerungspolitik neue Möglichkeiten. Nicht nur kann das Fortpflanzungsverhalten durch strategische Steuerung der Partnersuche in eine gewünschte Richtung gelenkt werden. Auch die gezielte Optimierung eines Genpools, in dem hohe Intelligenz und politisch gewünschtes Sozialverhalten kombiniert werden, ist damit in greifbare Nähe gerückt.

Die Sprecher beider Unternehmen versicherten, daß diese Fusion für die Kunden nur Vorteile brächten. Das bisherige Ausfüllen seitenlanger Fragebögen, dem sich Parship-Kunden bisher unterziehen mußten, kann komplett entfallen – Profile werden zukünftig automatisch, mit Hilfe neuester verhaltensbasierter Algorithmen, erstellt.

Das Geschäftsmodell soll nach Angaben der Unternehmen in seiner Struktur weitgehend unverändert bleiben; Facebook soll weiterhin den Großteil seiner Umsätze mit dem Verkauf von Dienstleistungen und Daten für Sozialprofiling, Gedankenmanipulation, Wahlbeeinflussung und Werbung erwirtschaften. Es ist jedoch geplant, die Plattform auf Basis bewährter Parship-Produkte leicht zu überarbeiten. So soll etwa die kostenlose Mitgliedschaft bei Facebook erhalten bleiben; hier werden allerdings kleine Anpassungen vorgenommen. Die Datenrate für Mitglieder im kostenlosen Basistarif wird auf 16 kbit/s abgesenkt, was nach den Worten von Zuckerberg für Textkommunikation vollkommen ausreiche; lediglich das Ansehen von Fotos und Videos könne etwas schwierig werden. Auch war die Rede von einer monatlichen kostenlosen Verweildauer im Portal von 30 oder 45 Minuten; danach wird minutengenau abgerechnet. Zuckerberg zeigte sich überzeugt, daß dennoch nur wenige Nutzer abspringen würden und meinte wörtlich „those suckers are hooked, man…don’t worry, they’ll beg for being allowed to pay…oh shit, why didn’t you tell me the microphone was still on?“.

Zudem wird die Attraktivität der Plattform durch neue Angebote weiter gesteigert.  Grundlage wird dabei das bisherige Tarifmodell von Parship sein, ergänzt durch zwei neue Premiumtarife. Der Platinum-Tarif erlaubt es, bei der Partnersuche verschiedene Kategorien zu wählen; beispielhaft genannt wurden „Long walks along the beach“, „buddy“ und natürlich auch der Klassiker „casual recreational sex“. Es war auch die Rede von Spezialangeboten für bestimmte Subkulturen. Exemplarisch wurde das „Tango Argentino“-Optionspaket genannt, in dem es Profile von „completely asexual close embrace“ bis hin zu „zero night stand during milongas“ geben könnte.

Im „Diamond“-Tarif haben Mitglieder zusätzlich zu den Features des „Platinum“-Tarifs die Möglichkeit, nicht nur eine unbegrenzte Zahl von Kontaktvorschlägen kompatibler Partner zu erhalten. Sie können darüber hinaus über bewährte Facebook-Mechanismen auch gezielt auf die Persönlichkeitsstruktur geeigneter Kandidaten einwirken, so daß diese noch besser zu ihren Vorstellungen passen. Auch ein paar Werbeslogans für diesen Tarif wurden schon präsentiert: „Faceback Dir Deinen Traumpartner einfach selbst“ und „Suchst Du noch oder facebackst Du schon?“.

Und ich sach noch

Ich vermute mal, inzwischen hat jeder mitbekommen, was da in den letzten Tagen und Wochen  in Sachen Facebook passiert ist. Ihr wißt, was ich von Facebook halte. Und es wäre jetzt sehr verlockend, einfach selbstzufrieden zu sagen „ich habs euch ja gesagt“. Aber das ist es nicht. Ich sitze leider mit euch Facebook-Junkies im selben Boot. Wenn ihr es über die Klippen steuert, bin ich auch dran.

Facebook ist wie ein netter Onkel, der Wohltaten verteilt – nur leider ist er der Pate eurer Favela und verdient das Geld, von dem er ein paar Almosen an euch verteilt, mit Drogenhandel, Prostitution und Auftragsmord. Oder zumindest versuchtem Mord, eventuell an der Gesellschaft, in der wir alle einigermaßen okay leben. Aber diese Almosen sind keine Geschenke. Ihr habt eine Funktion: ihr seid menschliche Schutzschilde.

Und ihr seid gleichzeitig Opfer. Die Bonbons, die er an euch verteilt, sind selbst Drogen. Dafür optimiert, euch möglichst lange auf der Plattform zu halten, um noch bessere Psychogramme erstellen zu können, euch noch paßgenauer manipulieren zu können. Oder anderen die Mittel dafür zu verkaufen. Ein Hack direkt in eure Gehirne. Und eine globale Monokultur – optimale Ausbreitungsbedingungen für Schädlinge.

Lenin wird der Ausspruch zugeschrieben „Eines Tages werden uns die Kapitalisten die Stricke verkaufen, an denen wir sie dann aufhängen werden“. Ups.

Ja, ich weiß. Nicht alles an Facebook war schlecht. Die Autobahnen.. Oh, sorry, falscher Kontext. Jedenfalls – wunderbar bequem, um sich tangomäßig zu organisieren und auszutauschen. Yada yada yada.

Als Facebook würde ich mir im Moment noch nicht allzu viele Sorgen machen. Ja, der eine oder andere Shitstorm, vielleicht eine Anhörung im US-Kongreß, der Aktienkurs ein paar Prozent runter. Was solls. Geht alles vorbei. Weil die Plattform ja so schön bequem ist; die Schafe werden schon wieder auf die Weide kommen. Und Trump…kleiner Unfall. Außerdem ist er gerade dabei, den Chinesen eins auf die Mütze zu geben, eigentlich gar nicht schlecht.

Dieser Laden gehört reguliert wie ein Pressemedium, oder noch härter, weil er einfach viel zu mächtig ist. Vielleicht bringt die neue europäische Datenschutzrichtlinie auch was. Aber ich würde mich nicht drauf verlassen wollen. Es gibt ein Leben ohne Facebook. Probiert es aus. Ist wie mit jeder Droge: ein paar Tage oder Wochen hat man Entzugserscheinungen. Und dann fühlt man sich besser.

GBSD

Anläßlich eines aktuellen Posts von Tango Therapist habe ich mich gefragt, ob es eigentlich auch Standpunkte gibt, von denen aus man die Teilnehmerselektion bei Veranstaltungen vom Typ Encuentro gut finden kann.

Vorneweg – ich lehne Veranstaltungen mit Gesichtskontrolle jedweder Geschmacksrichtung rundweg ab – ich sehe einfach keinen Grund, warum  ich jemandem so viel Macht über mich einräumen soll. Ja, es gibt Leute, die denken, daß sie im Gegenzug etwas dafür bekommen – das Gefühl, zu einer ausgewählten Elite zu gehören oder whatever. Gerhard hat dazu kürzlich etwas geschrieben. Ich bin eh schon Mitglied diverser Eliten. Da brauche ich das nicht auch noch im Tango.

Und was „gender balanced“- Veranstaltungen in Tangoland angeht (ich will keine Diskussion über den richtigen „wahren Namen“ aufmachen, aber die Begriffe „Diskriminierung“ oder „Selektion“ sollten schon drin vorkommen):

Wenn ich als Angehöriger des „begehrten Geschlechts“ (Mann) zu solchen Veranstaltungen gehe, würde ich damit die Macht der Veranstalter stärken und die Verbreitung dieser Event-Spezies fördern. Deren Attraktivität beruht ja darauf, daß dort die Dichte verfügbarer Männer größer ist als auf Durchschnittsmilongas. Also: nein danke.

  • Ich verwende ab hier das Kürzel GBSD für Veranstaltungen, die mit Gender Balance/Selektion/Diskriminierung arbeiten. Ich finde, das klingt so nett in Richtung LGBT und sollte mir von daher ein paar Zeitgeist-Punkte einbringen. Außerdem docke ich damit ein bißchen beim Psychologen-Speak an; es gibt ja diverse Diagnosen, die auch ihre Mehrbuchstaben-Kürzel haben, das abschließende „D“ steht dabei für „Disorder“, was ich boshaftigkeitstechnisch auch wieder sehr nett finde.

Und ja, das Voranmelden zu Veranstaltungen ist natürlich auch gut für Veranstalter und gibt ihnen Planungssicherheit; wenn das nicht allzu sehr ausufert, kann es sogar ein Plusfaktor für das Kulturangebot in Tangoland sein. Das hat aber nichts mit GBSD zu tun.

Aber wie gesagt – als wissenschaftlich denkender Mensch interessiert mich natürlich die Frage, ob es Standpunkte gibt, von denen aus  GBSD-Veranstaltungen rational begründbar wären.

Ich versuche das mit Hilfe eines kleinen Modells. Wissenschaft unterscheidet sich ja von Religion unter anderem dadurch, daß sie zur Falsifizierung einlädt und dies sogar als ein Element der Stärke ansieht.  Von daher lade ich zum Mitdenken ein, vielleicht habe ich ja was übersehen.

Gehen wir – zum leichteren Kopfrechnen – von einer Ausgangsmenge von 50 Männern und 100 Frauen aus (noch eine Anmerkung: Ich benutze diese Worte, weil ich keine Lust auf das ganze PC/Gendergedöns habe. Ihr wißt, wie es gemeint ist).

Bei einer offenen Veranstaltung hätte eine Frau im Fall kompletter Durchmischung und 100% Aktivität der Männer eine Tanzrate von 50%.

Bei einer GBSD-Veranstaltung haben 50% der Frauen eine Tanzrate von 100%. Für die  anderen 50% ist die Tanzrate Null, weil sie gar nicht erst reinkommen.

In Wirklichkeit liegen die Zahlen natürlich niedriger. Nicht alle Männer wollen nonstop tanzen, und wenn dann noch Cliquen ins Spiel kommen, sitzen wahrscheinlich auch auf GBSD-Events einige Frauen länger als andere.

Aus Männersicht hat GBSD den Nachteil, daß ihre Auswahl an Frauen nur halb so groß ist. Man hört von GBSD-Freunden öfter das Argument, die Atmosphäre wäre weniger stressig. Hier kann ich nur für mich sprechen – mir macht es nichts aus, und vielleicht sollten betroffene Männer eher an ihrer Persönlichkeit arbeiten statt  es andere ausbaden zu lassen, wenn sie damit nicht klarkommen. Aber es geht ja immer auch um „quality of experience“, also um Subjektivität. Dieser Faktor darf also bei der Frage, was die Benefits von GBSD sein könnten, nicht unterschlagen werden.

Was nun die Frauenseite angeht, kann ich tatsächlich potentielle Vorteile erkennen. Hier hängt es aber auch vom Umfeld ab, wie und ob sie diese materialisieren.

Gibt es keine Alternativ-Veranstaltungen, haben 50% der Frauen einfach die, hm, Popokarte gezogen, weil sie gar nicht zum Zug kommen. Aber: sie wissen das eine Weile vorher und können sich planerisch darauf einstellen. Zwar kein Tango, aber dafür auch kein Rumsitzen.

Wenn es zum GBSD-Termin andere Veranstaltungen gibt, haben die „Desinivitados“ die Chance, dorthin zu gehen und doch noch ein paar Tänze zu bekommen.  Vermutlich ein paar weniger, weil das Männerpotential ja auch nicht unerschöpflich ist.

Soweit verwendet das Modell die Annahme, daß GBSD-Veranstalter nach dem Zufallsprinzip auswählen. Eine „first come first serve“-Politik funktioniert ähnlich. Kommen aber noch Cliquenaspekte dazu, wird es komplexer. Auf der ToDo-Liste für Frauen, die reinkommen wollen, stehen dann Übungen im Nettsein (oder dem Konformsein mit irgendwelchen Stammesregeln). Das ist auch eine Art von Preis, den einige als zahlenswert ansehen können, andere nicht. Im Endeffekt sollte diese Veranstaltungen also eine Art Filtereffekt haben; es ist zu erwarten, daß dort bestimmte Tanguero/Tangueratypen dort über- und andere unterrepräsentiert sind.

Was wäre also das Fazit? Ziel war ja die Suche nach einem Standpunkt, von dem aus man den Nutzen von GBSD verstehen kann. Ich würde sagen, es gibt Charaktere, die von GBSD profitieren. Meine persönliche Schlußfolgerung – um hier den Bogen zum Anfang zu schlagen: Ich will nicht, daß diese Sichtweise an Boden gewinnt. Mir ist „Mikrofairness“ (jede Frau hat eine Chance, Tänze zu kriegen) sympathischer als „safe spaces“, die einige komplett ausschließen.

Die Plus-Seite von GBSD ist also: wer auf solchen Veranstaltungen ist, fehlt auf zeitgleich stattfindenden „normalen“ Veranstaltungen. Das ist dann ein Win-win: weniger Männer (gut für mich, weniger Konkurrenz) und mehr Frauen (gut für mich: mehr Auswahl). Außer natürlich, wenn Frauen entnervt den Tango aufgeben – was wohl leider auch passiert. Richtig, Chicas – Tango ist kein Ponyhof. Aber was mich angeht – ich bin halt nicht so der „Alles oder nichts“-Typ und denke, ich habe auch eine gute Seite: auf Milongas wechsle ich gerne und viel und achte auch drauf, ob jemand lange sitzt.

Zum Abschluß – bevor ich mich zu einer 100% Tradi-Milonga aufmache -noch ein kleiner musikalischer Gruß an die Freunde der Exklusivität (der ganze Text ist gut, meine Lieblings-Stelle ist etwa bei 2:14):

Schönen Sonntag noch…

Sex, Gender und Video

Ich bin ja immer noch nicht sicher, ob ich meine Zeit nicht besser anders verschwenden sollte – aber der Tangoblog-Schreibfinger hat mal wieder gejuckt.

Anlaß war ein kürzlich bei Berlin Tango Vibes erschienener Gastbeitrag des hochverehrten Bloggerkollegen Cassiel, oder besser einer dieser „Cassiellismen“, die ich so schätze (*):

„Ich denke, man sollte nicht dem Irrtum verfallen, geschlechtsspezifische Qualitäten oder Eigenarten mit der biologischen oder soziologischen geschlechtlichen Identität einer Person zu verknüpfen.“

(*) Falls jemand die Serie „Monday Mornings“ kennt, ich spiele hier natürlich auf die „Parkisms“ an. Lohnt sich zu googeln. Tolle Serie. Leider nur eine Staffel.

Was mich dann dazu bewegt hat, per Kommentar zuzugeben, daß mir das zu meta und vermutlich zu hoch sei, verbunden mit der Frage, ob hier die Rede von Statistik ist oder von was anderem.

Cassiel hat mich dann einer gefühlt etwa 2000 Worte langen Antwort gewürdigt, nicht ohne Verweis auf eine prähistorische Kommentardiskussion, aus der hervorgeht, daß wir beide des Öfteren unterschiedliche Ansichten haben. Oha. Hatte ich fast vergessen. Schade nur, daß er mein damaliges Pseudonym nicht ausgeschrieben hat. Ich träume ja immer noch davon, daß irgendwer sich die Mühe macht, die vielen kleinen Bröckchen, die ich immer wieder verstreue, zu einem Bild zusammenzusetzen und erst mein derzeitiges Pseudonym zu entschlüsseln und dann meine reale Identität. Seufz…dafür bin ich leider wohl zu unwichtig.

Aber ich schweife ab. Ich wollte erst wiederum per Kommentar antworten – oder besser gesagt, ein paar investigative Fragen stellen – dann dachte ich aber, das haben die Damen von BTV nicht verdient, sie wurden in diesem Kommentarthread eh schon mit Text überschüttet. Ich vermute, man wird mir unterstellen, das soll Traffic auf meine Webseite lenken – mal ganz ehrlich, Leute: ist mir egal. Der Traffic, und eventuelles Rumgeheule auch. Ich schreibe das hier, weil es schlicht bequemer ist.

Nun also endlich zum wahren Inhalt. Ja, ich hätte in der Zeit auch noch ein paar hundert Zeilen AVD-Formatanalysecode in C++ schreiben können oder eine neue Introduction für TS 103 427. Oder eine Runde Assassins Creed Syndicate spielen. Aber man kann ja nicht den ganzen Tag wichtige, relevante Dinge tun.

Nehmen wir uns also mal obigen Satz etwas genauer vor. Erstmal: Soweit ich weiß, gibt es das biologische Geschlecht (Sex) noch. Das abzuschaffen wäre auch etwas schwierig geworden, ich vermute, selbst das Bundesverfassungsgericht hätte das nicht hinbekommen. Gender, das „soziale Geschlecht“ – nun ja, dazu gibt es unterschiedliche Meinungen.

Ich persönlich bin eher kein Freund davon, schwerverdientes Steuergeld für Genderforschung rauszuhauen. Daher denke ich immer noch mit Freude an das Video von Harald Eia, in dem er es geschafft hat, daß sich die norwegischen Genderforscher selbst demontieren; soweit ich mich erinnere, hat danach der norwegische Staat diesen Leuten den Geldhahn ziemlich weit zugedreht. Wieviel von dem, was wir für geschlechtsspezifisch halten, in Wirklichkeit sozial antrainiert ist – gute Frage.

Womit wir beim ersten Teil des eingangs zitierten Cassiellisms wären: Entweder ist er komplett sinnlos oder der Autor glaubt eben doch,  daß es so etwas wie geschlechtsspezifische Qualitäten gibt. Wieweit diese von der Biologie kommen oder von der Soziologie – wer weiß. Wenn wir es tatsächlich schaffen sollten, alle geschlechtsspezifischen Unterschiede wegzugendern (falls sie soziologisch basiert sind) oder, wer weiß, wegzuzüchten (falls biologisch), wäre die Liste jedenfalls leer. Was mir die Gelegenheit gibt, einen meiner anderen Lieblingssätze in sinngemäßer deutscher Übersetzung zu zitieren: „Ein Klischee ist oft eine valide Erste-Ordnung-Näherung“ (soweit ich mich erinnere ist das von Charles Stross).

A propos Unterschiede: Ich persönlich bin der Meinung, daß Mädchen in der Schule ein paar Kampftechniken lernen sollten, die je nach Bedarf beim Angreifer etwas zwischen unerträglichen Schmerzen und Exitus erzeugen, wenn es anders nicht geht. Und den Willen, diese Techniken auch einzusetzen (das Risiko, daß es dann ein paar Profikillerinnen mit einem richtig guten Geschäftsmodell gibt, müssen wir halt als Gesellschaft eingehen). Oder wenigstens etwas Bio-Engineering, damit Frauen mindestens gleichstark wie Männer werden. Mir stinkt es jedenfalls gewaltig, daß die Idioten in meinem Verein den Ruf der ganzen Truppe ruinieren.

Oje, Schon wieder abgeschweift. Ich komme dann mal zum Schluß. Ein bißchen lustig ist das schon, wenn gerade die eher hardcore-mäßigen Freunde des „authentischen Tango“ mit seinem doch recht klaren Geschlechter-Rollen-Bild sich so eine Mühe geben, auf den Genderversteher-Zug aufzuspringen. Ob das jetzt das Ergebnis ihrer verstehend-weiblichen oder doch eher der männlichen Seite (Metathemen, schön distanziert-analysierend) ist – wer weiß.

Motivation

Ich widme den folgenden Text Thomas Kröter. Ich wollte dazu erst nur schreiben, er würde schon wissen, warum. Dieses Rätsel dürfte aber zu schwierig sein, also erkläre ich’s doch lieber. Thomas meinte mal (so weit ich mich erinnere), ich würde unglaublich weitschweifig und, nun ja, selbstverliebt schreiben. Stimmt. This song is for you, Thomas.

„Was geht mich der Vietnamkrieg an, solange ich Orgasmusschwierigkeiten habe?“

(lt. Wikiquote von Rainer Langhans, aber oft Dieter Kunzelmann zugeschrieben)

Gerechtigkeit ist ja eines der dominanten Themen unserer Zeit. Im Sinne des obigen Zitats frage ich mich, ob es denn gerecht sein kann, daß die Tangowelt sich weiter mit den immer gleichen unbedeutenden Dingen beschäftigt, während ich hier mit ernsthaften, ja existentiellen Problemen kämpfe.

Ich spreche natürlich von meinem Wackeldackel. Beziehungsweise vom Ensemble aus Wackeldackel und  gehäkeltem Toilettenpapier-Hut, das bisher auf der Heckablage meines Fast-Oldtimer-PKW stand.

Nun hat sich dieses Fahrzeug leider, skandalöserweise schon nach 22 Jahren und zirka 220.000 km, von mir getrennt. Mein Neuer ist schon da. Bei der Beschaffung habe ich auf alles geachtet – technische Ausstattung, Farbe, eine Antriebstechnik, die sogar gewissermaßen politisch korrekt ist (aber nicht deshalb ausgewählt), Sound, eben alles. Nur eines habe ich übersehen: er ist nicht Wackeldackel-kompatibel. Jedenfalls nicht ganz.

Das liegt an den getönten Scheiben hinten, was zur Folge hat, daß das Ensemble nicht gut sichtbar ist. Das verändert alles, denn diese Sichtbarkeit war Teil meiner Kommunikationsstrategie auf der Autobahn.

Die Botschaft war an die BMW-Fahrer aller Marken gerichtet und lautete in etwa folgendermaßen: „Lieber Verkehrspartner, Ihr Glück und Ihre Zufriedenheit hat für mich natürlich oberste Priorität. Natürlich würde ich, der Sie mir mit Auffahren auf 1 m und Lichthupe signalisieren, daß Sie es wirklich eilig haben, nichts lieber tun als sofort nach rechts zu fahren. Es gibt allerdings einige Gründe, dies nicht zu tun. Wenn ich Ihnen diese kurz erläutern darf, werden Sie mir danach sicher zustimmen, daß ich durchaus auch in Ihrem Interesse handle, wenn ich bleibe, wo ich bin, und wir fühlen uns beide besser. Zum einen sind wir gerade mit 130 km/h unterwegs; mit wir meine ich, die 8 anderen Fahrzeuge vor mir und wir beide. Wahrscheinlich können Sie diese anderen Fahrzeuge nicht sehen. Das ist nachvollziehbar; bei einem Adrenalinspiegel wie dem, den Sie vermutlich gerade haben, würde das jedem schwerfallen. Wollte ich in die kleine Lücke auf der rechten Spur, die sich gerade mit 100 km h bewegt, einscheren – was ich wie gesagt gerne für Sie täte –  müßte ich allerdings zunächst bremsen. So dicht, wie Sie gerade sind, würden Sie dies von den Bremslichtern her vermutlich gar nicht mitbekommen. Außerdem wäre ich gezwungen, in den Sicherheitsabstand der Verkehrspartner rechts einzudringen, was diese womöglich überfordert – so oder so, das Risiko wären Blut, häßliche Geräusche und Tränen. Das wollen wir doch nicht.“.

Ohne den Wackeldackel würde ich diese Botschaft vielleicht nicht so deutlich rüberbringen und zudem riskieren, daß besagter Verkehrspartner das Ganze am Ende  noch persönlich nimmt – als „pissing contest“ (das Internet bietet mir hier die deutsche Übersetzung „Schwanzvergleich“ an). Sieht er aber Wackeldackel und gehäkelten Toilettenpapier-Hut, ist ihm klar, hier fährt jemand, der es einfach nicht checkt, ein Opa halt. Und, sowieso, allemal besser, als hätte ich ihm die Botschaft in der nonverbalen Sprache gesendet, deren Gebrauch ihm vielleicht vertrauter ist – ich denke dabei an das, was wir Google-Lateiner „medio digito extensis“ nennen.

Nun ja – als Tanguero habe ich gelernt, nicht so schnell aufzugeben. Auch als Techniker sehe ich noch Möglichkeiten. Etwa, eine geschmackvolle LED-Beleuchtung für das Ensemble auf der Heckablage, so daß es auch durch die Scheibentönung gut sichtbar ist.

Was das Ganze mit Tango zu tun hat: Nicht viel, gebe ich zu. Außer, daß besagter Toilettenpapier-Hut von einer geschätzten Tanguera gehäkelt wurde. Als Teil des Sets, das mir damals von einer Gruppe Freunde zu einem halbrunden Geburtstag – zum Wackeldackel gab es sogar noch einen (richtigen) Hut – geschenkt wurde. Den Hut habe ich übrigens leider nicht mehr. Er war mir zu klein, und so habe ich ihn weiterverschenkt.

Ah…noch eine Referenz zum Tango: Wenn das mit der Beleuchtung nicht funktioniert, könnte ich das Set vielleicht auch in der Ronda einsetzen. Ist aber vielleicht doch nicht so lustig. Außer ich besorge mir wieder einen Hut, diesmal in meiner Größe, und eventuell noch ein Paar zweifarbige Schuhe. Dann hätte das ganze wieder einen gewissen Pfiff.

So. das hätten wir hinter uns. Das Vorstehende habe ich eigentlich nur geschrieben, damit es für mich etwas unterhaltsamer wird. Weil ich mir ja eigentlich vorgenommen hatte, mich aus den üblichen Tangothemen rauszuhalten. Nun habe ich aber kurz nacheinander einen Text zum Thema Auffordern bei berlintangovibes (via Gerhard Riedls Post) und dann noch einen mit ähnlichem Bezug bei Thomas Kröter gelesen. An sich wollte ich zu ersterem Post einen Kommentar schreiben; das hat aber irgendwie nicht geklappt. Vielleicht zu viel Hin und Her-Eingelogge mit verschiedenen WordPress-Identitäten, oder sonstwie verlorengegangen. Also schreibe ich es hier:

„Ich mache mir aus dem Auffordern per Cabeceo eine Art Sport. Ich freue mich immer, wenn ich einen neuen persönlichen Entfernungs- oder Schwierigkeitsrekord aufgestellt habe. Das ist manchmal gar nicht so einfach, weil ich meist nach dem Start der Musik noch 1-2 Sekunden brauche, um mich zu entscheiden, ob und mit wem ich gerne tanzen würde. In der informellen Gruppe meiner Lieblingstänzerinnen gibt es ein paar, die mich deshalb (ich hoffe liebevoll) ein wenig verspotten; warum ich mir das Leben denn so schwer machen würde, ich könne ja auch einfach hingehen und fragen.

Ehrlich gesagt ist mein Gedächtnis nicht so gut, daß ich mir für jede Dame, mit der ich schon mal Tanzkontakt hatte, merken würde, wie sie es aufforderungstechnisch am liebsten hat. Da ich zudem versuche, bei jeder Milonga mit mindestens einer bislang unbekannten Dame zu tanzen, ist es zudem manchmal gar nicht so einfach herauszufinden, ob ein Nicht-Gucken jetzt Desinteresse bedeutet, oder ob die Dame gar nicht mit Cabeceo rechnet. Vielleicht ist die Tangoszene in Berlinos Aires da ein wenig mehr standardisiert – zu wenig Datenpunkte, um das beurteilen zu können.

Was das aufgefordert-werden angeht: Beim Selber-Auffordern erhöht die Möglichkeit, einen Korb zu bekommen, für mich den Reiz sogar. Das sehe ich im Übrigen auch als ein Plus für die Blickkontakt-Variante – eine Mirada ist ja auch ein Ausgesucht-werden. Wenn ich dagegen von einer Frau aufgefordert werde, gebe ich prinzipiell keine Körbe, um die Damenwahl ein bißchen zu unterstützen.  Wenn sie sich allerdings auf breiterer Front durchgesetzt hat, würde ich dann schon auch mit dem Körbe-Geben anfangen.“

Und wo wir gerade beim Abfrühstücken von Themen sind: Gerhard ist ja schon auf das Thema „Konsens beim Tanzen“ eingegangen.

Zunächst der ernste Teil: Ich glaube, die Schweden hatten durchaus valide Gründe, hier aktiv zu werden. Gut möglich, daß dies mit dem forcierten Zusammentreffen verschiedener Kulturen zu tun hat, das seit 2015 in vielen Teilen Europas stattfindet. Vermutlich hat bisher ein passender Rechtsrahmen gefehlt, um ernsthafte Grenzüberschreitungen wirksam verfolgen zu können.

Um dieses ernste Thema wieder mit einem Scherz aufzulockern, den einige sicher als unpassend empfinden werden: Tango ist ja nähetechnisch auch nicht ohne. Von daher zwei konstruktive Vorschläge. Wir kennen ja den Job des TJ bei Milongas. Vielleicht sollten wir uns schon mal auf eine neue Funktion vorbereiten, den TN. Das N steht selbstverständlich für „Notar“; dieser könnte die Vereinbarungen zwischen den Tänzern, die sicher bald notwendig werden, rechtssicher beurkunden. Falls dies organisatorisch nicht möglich ist, könnte man alternativ Formulare auslegen, die schon für die gängigsten Estilos (Abstand) und Figuren (Grad der Intrusion) vorbereitet sind. Milonga-Verkehrsregeln ließen sich übrigens in so einen Genehmigungsbogen integrieren. Damit verbleibt nicht nur mehr Auslageplatz für Veranstaltungs-Flyer. Das ohnehin notwendige Unterschriftenfeld verleiht dem Codigo-Kanon dann auch gleich mehr Gewicht, ein sicher nützlicher Nebeneffekt.

So. geschafft. Ich schließe diesen Post mit einem gelungenen Bogen zwischen den Themen Auto und Tanz ab. Der nachfolgenden Titel spielt auf das Image der Automarke an, zu der ich jetzt sozusagen zurückgekehrt bin, und ist gleichzeitig, wie ich finde, ein schönes fröhliches Nontango-Stück.