Machtsamkeit oder: Möge die Nacht mit dir sein

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Gerhard Riedl hat aktuell einen sehr lesenswerten Post über einen Post des Bloggerkollegen „Tango Therapist“ verfaßt.

Dank der wunderbaren nach Alter sortierten Tangoblog-Liste von My Tango Diaries sehe ich immer auf recht zeitsparende Weise, wer was Neues gepostet hat. Nachdem ich das aktuelle Werk von TT gesehen und gelesen habe,  kam erstmal der „What the fork?“-Moment. Ich wußte wirklich nicht, was ich davon halten sollte – ein Text, der nett und einfühlsam daherkommt,  uns mit Hilfe diverser Gehirnscans erklärt, daß das Ignorieren von Leuten diesen richtig weh tut. Und dann vorschlägt, statt sie zu ignorieren, ihnen zu erklären, daß man tänzerisch einfach keinen Bock auf sie hat, vielleicht höchstens noch, wenn sie ganz brav sind und sich per Cabeceo/Mirada auffordern lassen, aber vielleicht auch gar nicht.

An sich wollte ich TT einfach ignorieren; Passivitätskompetenz und so. Aber irgendwie hat es mir doch innerlich keine Ruhe gelassen, und Gerhards Post heute war dann nur noch der sprichwörtliche letzte Tropfen ins Faß.

Ich wollte was locker-flockiges hintuschen. Wie Ihr wißt, bin ich ja mit Vio konform, wenn sie sagt, Tango ist die Möglichkeit, die Essenz von Geschlechterrollen zu erleben. Dann würden Typen wie dieser – ich sage mal, Archetyp arroganter Schnösel – einfach auch zum überzeichneten Rolleninventar gehören, so wie die Schwarzweiß-Ästhetik von Sin City. Also nichts Schlimmes, wie Geisterbahn. Wenn das Licht angeht, sieht man die Mottenlöcher und den Staub.

Aber irgendwie bin ich innerlich noch zu aufgebracht für so einen locker-ironischen Text. Nicht gut, sich so leicht aus der Contenance bringen zu lassen. Muß echt noch an meiner Passivitätskompetenz arbeiten.

Ungefähr zeitgleich habe ich bei „In Search of Tango“ einen Text gelesen, der für meinen persönlichen Geschmack vielleicht einen Tick zu romantisch/soft daherkommt,  aber einfach zeigt, was „sozial“ auch sein könnte – hier. Wenn ich mehr Zeit hätte, würde ich die beiden Texte mal in einer Zweispalten-Darstellung absatzweise gegeneinander stellen. Scusi.

Also mit was haben wir es bei Typen vom Schlage TT zu tun? Ich würde sagen, da hat jemand Macht geschenkt bekommen – dadurch, daß Frauen einfach den Wunsch haben zu tanzen – und mißbraucht sie für seine kleinen Spielchen. Psychologisier das doch mal, TT.

Damit dieser Post im Positiven aufhört: Ebenfalls kürzlich habe ich – über Simbatango –  einen wunderbaren Text gefunden. Die Autorin folgt darin den Spuren ihrer verstorbenen Großmutter, die in Buenos Aires – unter dem Motto „Tango is love without the mess“ ein Tangoleben geführt hat.

Und, noch schnell das hier: Ms Hedgehog hat gerade einen köstlichen kleinen „Orquesta-Führer“ gepostet.

 

 

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Two to tango

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Ich war ja vor kurzem auf dem Zuckerberg, um einen Blick auf Herrn Kröters Texte zu werfen. Jetzt muß ich etwas gestehen.

Obwohl ich behauptet habe, gleich wieder von dort zu verschwinden, habe ich doch noch mal kurz bei Iona May Italia vorbeigeschaut (aka Terpsichoral Tangoaddict). Wie ich schon mehrfach, ganz und gar ernstgemeint, spaß- und ironiefrei, gesagt habe, bin ich ein Riesenfan ihrer Art zu schreiben. Ich werde wohl nie die Hoffnung aufgeben, ihre Texte eines Tages doch wieder im freien Web zu lesen.

Gefunden habe ich einen herrlichen Text, den ich hiermit offiziell verlinke:

https://m.facebook.com/story.php?story_fbid=975957672497633&id=100002502284000

Damit meine Inkonsequenz nicht so auffällt, hier noch ein Link auf einen Artikel, der absolut nichts mit Tango zu tun hat, den ich aber aus Gründen, über die ich bitte angemessen zu rätseln – recht unterhaltsam fand: http://www.spiegel.de/netzwelt/gadgets/hans-magnus-enzensberger-replik-auf-seinen-wutausbruch-a-1088010.html

P.S.: By the way, Iona May. In one of your other (great) posts you write about how it is wrong to try to make friends with „Tango VIPs“ just to get some dances with them. I fully agree…I just realized that there is a certain irony in this. After all, Sugarmountain is the place where things circle around „friends“ and „likes“.  I apologize for not having enough time to write a beautifully crafted text about this issue… xoxo Yokoito.

 

Chacarera

Vor kurzem habe ich auf einer Milonga eine Spontan-Einlage Chacarera gesehen, was dann eine kleine Youtube-Reise ausgelöst hat. Beim nachfolgenden Video hat mich die Musik in den Bann geschlagen. Hört/seht erstmal selbst:

Die Musik: Chacarera Del Violin von Néstor Garnica. Falls möglich, empfehle ich, die Originalaufnahme (gibts beispielsweise bei Deezer) mit angemessener Lautstärke und auch ein wenig Power im Baßbereich zu hören.Für mich ist das Gänsehautmusik – von der Intensität her vergleichbar mit den besten Sachen aus dem schottisch/irischen Bereich.

Eine, wie soll ich sagen, tänzerisch interessante Variante zu dieser Musik ist das hier:

und das hat mich dann auf das hier gebracht. Das nenne ich mal „Spielen mit Schrittgrößen“…so etwa bei 1:35 war ich kurz vor dem Niederknien…ich glaube, ich werde echte Probleme kriegen, wenn diese Musik das nächste Mal auf einer Milonga läuft.

Ach ja…die Musik: „No Hay Tierra Como la Mia“ von Solo Tango Orquesta

Zum Thema Musik

Aus aktuellem Anlaß eines kürzlich besuchten Livekonzerts: Liebe Tangueros und Milongueros, laßt Euch nicht erzählen, daß nur alte Konservenmusik das Wahre ist. Speziell, ignoriert das ganze Geschwätz zum Thema Tanzbarkeit. Ob Musik tanzbar ist, ergibt sich aus dem, was die Musiker konkret tun, d.h. spielen. Und das wiederum hängt von Euch, den Kunden, ab. Es ist wie beim Hundetraining: Ihr bekommt nicht, was Ihr wollt, sondern das, was Ihr belohnt – und Ihr könnt es steuern.

Ach ja – kürzlich las ich beim Kollegen Cassiel einen Post zum Thema „Belastete Musik„. Cassiel geht – zumindest zu Beginn des Posts – noch einigermaßen behutsam an das Thema ran. Dennoch: Die Konzepte, die letztlich dahinterstecken, lösen eine Reihe von unguten Assoziationen aus. Geschichtliches nach gerade aktuellen Maßstäben neu bewerten?  Erinnert sich noch jemand an „Brave New World“, oder daran, wie in kommunistischen Staaten Fotos retuschiert wurden, um inzwischen mißliebig gewordene Personen auszulöschen?  Ja, jetzt dürfte der Vorwurf der maßlosen Übertreibung kommen – tut mir nicht wirklich leid, wenn ich in dieser Hinsicht etwas sensibler bin und mich frage, wie es dann wohl weitergeht. Und darauf hinweise, wohin man gelangt, wenn man den Gedanken konsequent weiterdenkt.  Ich schätze, die allermeisten Personen der Geschichte waren, mit unseren heutigen Moralvorstellungen gemessen, echt üble Gesellen. Zum Beispiel Sokrates oder Archimedes – alte Griechen, wenn Ihr wißt, was ich meine. Sklaverei, Pädophilie… also was ist zu tun? Verwerfen wir ihre Erkenntnisse? Rückabwicklung von 2000 Jahren Philosophie oder Naturwissenschaft, weil die damaligen Protagonisten Ansichten vertreten haben, die heute nicht mehr verfassungskonform sind?

Wenn ein Musiker oder Buchautor etwas intellektuell oder künstlerisch Bereicherndes geschaffen hat, steht dies erstmal als Tatsache im Raum. Wenn er im Zivilleben ein Vollidiot war – oder auf Basis heutiger Regeln zu einem solchen erklärt wird – macht dies seine Leistung nicht ungeschehen. Klar gibt es Grenzen – direkte Inhalte in Texten wäre so etwas. Aber wollen wir, beispielsweise, jetzt wirklich das Privatleben von Musikern durchscannen und herausfinden, welchen Dreck sie am Stecken haben? Tandas nach dem „political correctness score“ von Musikern zusammenstellen? Und wollen wir das dann alle paar Jahre revidieren, wenn sich unsere eigenen Maßstäbe geändert haben?  Für mich sind solche Vorstellungen im besten Fall die Suche nach wohlfeilem Applaus für politisch korrekte Beflissenheit. Im schlimmsten Fall ist eine Denkweise, die Inhalte nur gelten läßt, wenn der Schöpfer bestimmte, mehr oder weniger beliebige Kriterien erfüllt, eine unkontrollierbare, nun ja, Waffe, die schnell in die falschen Hände geraten kann.

 

 

 

Kleiner Werkstattbericht

20160405_155934Eine dieser meditativen Aufgaben, die ich mir gestellt habe – ein Tango-Beziehungsgraph. Aus Neugierde – welche Blogger lesen (oder listen) welche anderen Blogs – erkennt man Einflüsse, gibt es da Lager, Fraktionen? Eigentlich steckt dahinter die Frage, welchen Einfluß Blogger überhaupt auf das öffentliche Leben in Tangoland haben. Wieviele Tangueros/Milongueros lesen überhaupt Tangoblogs?

An sich ist eine solche Analyse straightforward – man schaut sich die „Blogrolls“ der Tangoblogs an und baut daraus eine Beziehungsmatrix, die sich dann mit etwas Excel-Magie in eine Grafik verwandeln läßt.

Manche Blogger scheinen wirklich sehr viel Zeit zu haben (oder sie addieren einfach alles, was ihnen unter den Mauszeiger kommt, zu ihrer Blog-Liste). Nehmen wir Seiten wie Simbatango  oder My Tango Diaries. Bei letzterer komme ich auf genau 50 URLs (plus 1, weil sich das Blog selber listet).

Um mal langsam zum Punkt zu kommen: My Tango Diaries hat eine sehr nette Funktion. Es wird nämlich in der Blog-Liste unter dem Link auch das aktuelle Alter des letzten Beitrags angezeigt. Wie ich glaube ich schon geschrieben habe, bin ich kein Webseiten-Experte. Vielleicht läßt sich so eine Funktion auch bei WordPress leicht einbauen – naja, ich habe natürlich Tante Google gefragt und beruhigenderweise war zumindest unter den ersten 20 Treffern nichts Passendes (und ja, falls jemand einen heißen Tip hat: Bitte reingeben. Faulheit ist bei mir stärker als die Furcht, mit einem „das war doch ganz simpel“ bloßgestellt zu werden).

Warum ist das wichtig? Weil man mit so einer Funktion ganz leicht rausfinden kann, wie aktiv ein Blog ist.

Update: Die Blogliste auf My Tango Diaries ist sogar noch besser, als ich dachte. Sie wird offenbar automatisch nach Alter der Blogs sortiert.

Anmerkung: In der ersten Version dieses Posts hatte ich vor lauter Begeisterung und zwecks optimalen Leserservice direkt eine Tabelle mit dem Inhalt dieser Blog-Liste drin (von der Arbeit am Beziehungsgraphen).  Das habe ich nach kurzer Zeit geändert, schließlich wäre es Kopieren von Content, also evtl. etwas oh la la. Daher habe ich das umgestellt. Etwas unbequemer beim Lesen als eine Tabelle hier direkt im Text – auf der Plusseite steht aber, daß Ihr damit auch Aktualisierungen mitbekommt.

Gebrauchsanweisung: Bitte dem Link auf  My Tango Diaries folgen. Dann runterscrollen bis „Tango/Argentina Blogs“.

Ein paar von Links auf ältere Blogs dürften inzwischen tot sein – ich habe mal ein paar Stichproben bei den älteren gemacht, mindestens ein Klick hat ins Nirwana bzw. zu einer Google+-Login-Seite geführt. Ich habe mir noch gar nicht alles angesehen und will bewußt auch keine „Negativliste“ aufstellen. So eine Liste ist ohnehin nur eine Momentaufnahme. Jeder dieser Blogger kann jederzeit wieder zum Keyboard greifen und Dutzende von neuen Posts pro Monat raushauen. Und über Qualität sagt sie schon gar nichts aus; vielleicht warten bei, sagen wir, Tango On My Mind unzählige Schätze darauf, gelesen zu werden.

Genauso ist es möglich, daß noch Blogosphäre-Teilmengen existieren, die – analog zu „Zitierkartellen“ anderswo – voneinander nichts wissen wollen.

However: Das alles mit ein wenig Mut zur Lücke beiseitegelassen, läßt sich die Zahl der momentan aktiven englischsprachigen Blogs auf etwa 20-25 abschätzen. 20 wäre gut – dann kann ich ein ebenfalls im Web gefundenes Beispiel für einen Beziehungsgraphen direkt verwenden. Ein echtes Motiv, diese Zahl irgendwie argumentativ hinzubiegen. Stay tuned…

 

 

Konfrontationstherapie auf dem Zuckerberg

IMG_5120Meine Eitelkeit hat mich – nach Gerhard Riedls Hinweis, der von mir durchaus hochgeschätzte Thomas Kröter hätte mir die Ehre der Erwähnung in seiner Facebook-Präsenz erwiesen – zu einem kleinen Ausflug auf besagten Zuckerberg gebracht.

Und wie das so mit Zucker ist – hinterher ist einem schlecht. Um Mißverständnisse zu vermeiden – das liegt nicht an Herrn K selbst, sondern an der Umgebung, in der er sich aufhält.

Erstmal, die gestalterischen Möglichkeiten auf FB sind, nun ja, etwa auf der Meereshöhe, die mir Herr K in Bezug auf den Inhalt eines Posts attestiert hat (ich bin nicht pissed! Am Ende des Lesens mußte ich sogar richtig lachen). Eine Rechtschreibkorrektur gibt es offenbar auch nicht; bei der Geschwindigkeit, mit der Mr. K  Posts raushaut, wäre dafür vermutlich auch gar keine Zeit. Ich habe auf meinem Tablet gefühlt ca. 10 Minuten gebraucht, um überhaupt zum Beitrag (aktuell etwa 28 Stunden alt) runterzuscrollen.

Update: Um hier fair zu bleiben: So viele Typos sind es gar nicht; ich muß gestehen, daß die forcierte Kleinschreibung, die Thomas bei Facebook verwendet, visuell für mich sehr ähnlich rüberkommt. Es wirkt auf mich offen gesagt auch ein wenig eitel – sehr her, dieser Text ist so wichtig, daß ihr euch eben mehr visuelle Mühe geben müßt, wenn ihr ihn lesen wollt.

Tut mir leid – ich bin nicht nur audiophil und kratzige Musik tut mir in den Ohren weh – ein kratziger Text macht das Gleiche mit meinen Augen. Aber na ja…als Journalist heutzutage arbeitet man vermutlich eh nicht mehr für die Ewigkeit. Wenn ein Ding von der Dimension der Panama-Leaks eine Öffentlichkeits-Lebensdauer von ein paar Tagen hat, dürfte so ein Post etwa die Lebenserwartung eines Kartoffelchips während eines Public Viewings der Fußball-WM haben. Das ist halt der Vorteil von uns Amateuren – wir stecken auch Mühe in etwas, von dem wir ahnen, daß es den meisten Leuten egal ist.

Okay, muß weiter – aber nochmal danke, Thomas dafür, daß Du mich ein wenig berühmter gemacht hast. Und vor allem danke, Gerhard. Die Replik ist wirklich lesenswert (das schreibe ich nicht, weil Du da eine Lanze für mich brichst, sondern weil das Ding einfach gut geschrieben ist).

Update: Schnell noch – Thomas, damit Du nicht so lange suchen mußt – ich hab vor einer Weile schon mal was zu Facebook geschrieben…ich weiß, Du hast wenig Zeit, daher hier gleich der Link. Oh Mist…mir fällt grade was ein…eine sehr liebe Freundin, die Journalisten ausbildet, gab mir mal den Tip, die wichtigsten Sachen ganz an den Anfang zu stellen, weil eh keiner so lange Texte liest…Sumimasen…Na ja, im Grunde ist es mir egal. Ich glaube sowieso, daß diese Verkürzung der Aufmerksamkeitsspanne genauso ein Produkt unserer Medien ist wie etwas, das sie glauben bedienen zu müssen. Was insgesamt eine wunderbare verstärkende Rückkopplungsschleife ergibt. Mein Lieblingswort des Jahres 2016 steht jedenfalls heute schon fest: Passivitätskompetenz. Die Kunst, sich Dinge einfach am Hintern vorbeigehen zu lassen (da war ein guter Artikel in der Print-Wirtschaftswoche, vor einigen Wochen).

Und ach ja, Facebook…Sayonara, vielleicht komme ich so in ein, zwei Jahren wieder vorbei.