Wo wir gerade

über Poesie sprechen (na ja, nicht wirklich…aber tolle Einleitung, oder?): Vor einer Weile sah ich, etwas erstaunt, daß in der geografischen Übersicht meiner Blog-Admin-Ansicht einige Seitenzugriffe aus Spanien dabei waren. Irgendwann in diesem Zeitraum hat mich dann der folgende Text erreicht; von einem Absender, der sich selbst Rodrigo „El Lupo“ Lana nennt. Klingt nach einem Milonguero – oder einem Künstlernamen. Ich habe den Text sprachlich etwas aufpoliert – ich denke, er könnte aus dem Spanischen kommen, ein Original habe ich nicht – dabei aber versucht, so wenig wie möglich zu verändern.

Ein Moment

in dem die Hände anfangen, ineinander statt aufeinander zu liegen. Die Oberkörper ganz zueinander orientiert sind. Man den anderen Körper als Ganzes wahrnimmt.

Welche Schritte? Es ist keine Frage. In jedem Moment die volle Gewißheit, daß es so und nicht anders richtig ist. Die Zeit wird langsamer; sie verschwindet. 

Die anderen Paare auf der Tanzfläche sind noch da, aber sie werden bedeutungslos; der Raum, den man braucht, um sich in der Musik zu bewegen, ist einfach da.

Der Moment dauert eine Stunde. Oder eine Sekunde. Ein Name, danach? Unwichtig.

 

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Walking and Falling reloaded

Auf die Schnelle – Gerhard hat mal wieder einen wunderbaren Text verfaßt:

http://milongafuehrer.blogspot.de/2015/12/der-geist-der-stets-verneint_21.html

Wie ein gutes argentinisches Steak – zergeht auf der Zunge, mit genau der richtigen leichten Schärfe. Wobei ich persönlich zum Thema „mal eben nach Argentinien fliegen“ ähnliche Ansichten habe. Überfüllte Milongas kriege ich auch hier, wenn mir danach ist, und klimafreundlicher ist es sowieso (für diejenigen unter uns, denen das nicht egal ist).

Themenwechsel.

Eigentlich sollte das ein ganz kurzer Text werden; gerade erst bin ich aus dem beruflichen Jahres-End-Wahnsinn herausgekommen und befinde mich nun endlich in der Weihnachtsruhe-Zone. Aber na gut, wo ich schon mal dabei bin:

Irgendwo in Gerhards Text oden den ebenfalls  sehr lesenswerten Kommentaren findet sich ein Hinweis auf Melina. Ich also mal kurz rüber zu ihrer Website gedüst…und das Tutorial überflogen; kein Spaß auf einem Smartphone. Gute Tips, however. Da fiel mir gleich mal wieder meine Lieblingsseite „Tango and Chaos“ ein.

Und ich dachte: Schön, daß mal wieder das Stehen thematisiert wird. Gerhards Brandt-Zitat paßt aber auch hier:  Rick McGarry war da schon mal weiter und hat sich sogar um das Laufen gekümmert. Ich meine, wenn schon keine Ganchos und all das Zeug – warum nicht mal „walk like an Argentinian“?

Ich habe mich sowieso schon oft gefragt – man sieht so gut wie nie jemanden „argentinisch“ laufen – haben all die reisenden Maestros und ihre Adepten das irgendwie vergessen, finden sie es nicht spannend genug, oder ist es gar geheimes „Herrschaftswissen“?

Jetzt aber genug für heute. Euch allen ein schönes Weihnachtsfest, ein paar ruhige Tage „zwischen den Jahren“ oder danach, und alles Gute für 2016. Abrazos und Goodbye.

Ach ja, übrigens

hat Gerhard mal wieder einen wirklich lesenswerten Post rausgehauen: http://milongafuehrer.blogspot.de/2015/12/meinung-und-wahrheit.html#comment-form.

Angehängt an diesen Post gibt es einen in seiner Struktur dem „Herrn der Ringe“ vergleichbaren Kommentar von Peter Baumgartner. Zumindest hat er auch drei Teile, und das Erzähltempo hat mich an Baumbart, den Ent, erinnert. Ob auch Orks darin vorkommen? Hier war ich mir nicht ganz sicher; es gibt zumindest Andeutungen, die einem sensiblen Leser wie mir natürlich aufgefallen sind. Ebenfalls HdR-ähnlich ist die Entwicklung hin zu einer furiosen Schlußsequenz. Darin geht es im wesentlichen um Eier.

(ich habe versucht, den vorigen Abschnitt ähnlich aufzubauen wie Peter seinen Kommentar – eine locker hingetupfte, mit großer Gelassenheit erzählte Story…und dann…peng!)

Jedenfalls fiel mir zum Thema Körbe dazu gerade noch die Redewendung „alle Eier in einen Korb legen“ ein…das sollte man als Tanguero natürlich niemals tun. Verwirrt? Ist Absicht. Lest den Post und die Kommentare…

A propos Korb

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Vio meint, als Frau dürfe man eigentlich nie Körbe geben:

http://tangoforge.com/tango-one-year-in/

Wieder mal ein herrlicher Beitrag, der leider in Englisch ist. Er beschreibt das Tango-Erleben aus der Frauenperspektive.

Mit den Ein-Satz-Zusammenfassungen ist es ja immer so ein Ding. Ich versuche es, für die gute Sache, trotzdem mal wieder: Das wohlige Eintauchen in eine Retro-Welt, in der von absoluter Wonne bis zur völligen Demütigung alles möglich ist.

Wenn ich mir dieses kleine Wortspiel mal erlauben darf: Eintauchen -> U-Boot -> Submarine -> Sub….

Um also noch einen kurzen Moment in dieser Denk-Ecke zu bleiben:

Lest! Das! Jetzt!

Lernt! Gefälligst! Englisch!

Sonst entgeht Euch eine Menge Spaß.

Gut. Spaß beiseite.

Ich habe leider immer noch nicht die Zeit (und mag auch die Rolle nicht, in die es mich bringen würde), Posts zu übersetzen. Aber ich biete an:

  • wenn irgend jemand die Zeit zum Übersetzen hat – und
  • wenn das Ergebnis schon einigermaßen lesbar ist, also nicht gerade „Google Translator“-Niveau
  • und wenn sich besagter Übersetzer auch um das Copyright-mäßige kümmert, d.h. das Okay vom Originalautor einholt und was immer noch notwendig ist

dann helfe ich beim Schluß-Edit und veröffentliche es dann auf diesem Blog.

Ihr könnt mir schreiben: yokoitob auf gmail.com

 

Tangoland als Ökosphäre

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Zum Einstieg ein Link zu einem älteren Blog-Post bei Cassiel.

http://tangoplauderei.blogspot.de/2009/11/tango-dj-christian-tobler.html

Dies ist Teil 3 eines dreiteiligen Beitrags; die beiden anderen Teile sind auch lesenswert.

Ich will gar keine großartigen eigenen Thesen aufstellen; Gedanken möge sich jeder selbst machen. Nur so viel: Natürlich ist die finanzielle Leistungskraft der Tangoland-Bewohner unterschiedlich, und sicher haben auch einige nur sehr wenig „money to burn“. Andere dagegen sind durchaus etwas besser betucht. Ich denke daher, daß in der TA-Szene im Großen und Ganzen kein wirklicher Geldmangel herrscht, sondern eher eine Art Geiz ist geil-Kultur. 

Schaut man sich die Eintrittspreise von Milongas an, liegen diese meist irgendwo im 5-8-Euro-Sektor; das ist in etwa der Preis von ein bis zwei Latte Macchiatos, oder die Hälfte von dem, was ein Kinoticket kostet (ohne Popcorn); von Theater- oder Konzertpreisen wollen wir gar nicht erst reden. Zu Klamotten kann ich nur Vermutungen anstellen – in die Richtung, daß dies durchaus auch signifikante Kostenblöcke sein können. Die Gesamtbudgets von Encuentros, Tangoreisen und dergleichen…nun ja.

Die Frage ist nur: was muß man davon alles finanzieren? Die Musik ist ja nicht alles. es beginnt beim Raum. Als Kneipier wird man mit dem Tangovolk nicht sonderlich glücklich. Alkohol ist der natürliche Feind jeder Achse. Mittags kann man wenigstens noch das eine oder andere Stück Kuchen verkaufen.  Abends – ich habe mich schon ein paarmal gefragt, warum Tangolokale nicht spezielle tangokompatible Gerichte anbieten, Fingerfood, das keine Fahne macht und nicht so einen großen Fußabdruck – platzmäßig wie auch zeitlich – hat wie ein warmes Tellergericht.

Ein Modell, das ich schon ein paarmal gesehen habe, sind Vereine. Man kommt zum Beispiel als gemeinnütziger Verein gut an Räume heran. Okay, es gibt eine Menge Räume, die nur mit relativ viel Aufwand in eine gemütliche Milonga-Umgebung verwandet werden können; es muß dann doch ein wenig Geld in die Hand genommen werden. Was das angeht, ließe sich z.B. ein Vereinsbeitrag erheben, der nach Einkommen gestaffelt ist – das bekommen andere Vereine oder auch Parteien ja auch hin.

Gut, das Problem bei Vereinen ist die Vereinsmeierei; es kann natürlich passieren, daß so ein Verein in die Hände von Tangopolizisten oder sonstigen Leuten mit fütterungsbedürftigen Egos fällt. Oder daß die Aktivitäten aus Zeitmangel einschlafen. Ich behaupte aber mal, daß – will man die Vorteile eines „gesetzeskonformen“ Vereins mitnehmen – eine Art „Blaupause“ für das Formale erzeugt werden kann (vielleicht gibt es ja schon eine App dafür…). Dieses Rad wurde mit Sicherheit schon Millionen mal erfunden.

Mal so eine kleine obere Abschätzung: sagen wir, ein 100 Quadratmeter großer Gewerberaum, in einem Gründerzentrum oder einem Coworking Space; ich glaube nicht, daß so etwas warm mehr als 1500 Euro kostet. Sicher läßt sich da auch der eine oder andere kommunale Euro lockermachen, wenn es nicht sogar subventionierte kommunale Räume gibt. Umgerechnet auf einen Verein mit sagen wir 50 Mitgliedern wären das 30 Euro pro Monat. Und ein solcher Raum stünde dann 24/7 zur Verfügung, für Milongas, Kurse, Einzelstunden und was noch alles.

Ich schließe hier – mit der Wiederholung meiner These, daß, um es mal mit gängigen Klischeebegriffen zu sagen, im Tango Argentino doch ein recht schottischer (oder schwäbischer) Geist weht. Dabei fällt mir ein alter Witz ein: 3 Schwaben fallen beim Schneewandern in eine Gletscherspalte. Glück im Unglück: es treffen Rettungskräfte ein; einer ruft nach unten: „Hier ist das Rote Kreuz, geht es Ihnen gut?“. Worauf einer der Bergwanderer ruft: „Mir gebet nix!“.

 

Nostalgias

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Hausarbeit, vor allem Staubsaugen und Boden-Wischen, ist für mich eine Art Meditation in Bewegung. Ausgleich für den Umgang mit eher immateriellen Dingen, der ansonsten meine Zeit ausfüllt. Und das, was einem Workout noch am nächsten kommt, wenn mal wieder keine Zeit für einen Workout ist.

Dabei trage ich dann meist einen Kopfhörer (Tip: Kombi mit Headset; guter Sound plus Streßreduktion bei ankommenden Anrufen; und man kann einfach weiterarbeiten).

Heute habe ich mal die „Flow“-Funktion meines Streaming-Anbieters ausprobiert. Die Titel werden auf Basis meiner bisherigen Musikauswahl und „Likes“ zusammengestellt. Der Clou ist aber, daß es meist nicht die selben, sondern „ähnliche“ Stücke sind. Die Algorithmen dahinter sind noch ausbaufähig, im Großen und Ganzen funktioniert es aber schon ganz akzeptabel. Eine Art Tandastruktur wäre noch gut, damit mehrere Stücke der gleichen Farbe hintereinander kommen.

Da putze ich also so meditativ vor mich hin, es laufen ein paar Stücke aus der Elektro-Chillout-Ecke…und dann startet „Nostalgias“. Eins meiner Edotango-Lieblingsstücke.

Exkurs: Mit Lieblingsstücken ist das bei Edotango ja immer so eine Sache. Ähnlich wie bei Antibiotika; setzt man es zu oft ein, entsteht Resistenz oder, im musikalischen Fall, Überhören. Wobei bei Antibiotika ja immerhin noch die Möglichkeit besteht, daß doch mal wieder ein Pharmakonzern ein paar Milliarden in die Hand nimmt, um eine neue Substanzklasse zur Anwendungsreife zu entwickeln. Bei Edotango müßte da schon ein kleines Wunder passieren. Sagen wir mal, es wird ein gesunkenes Flußschiff am Grund des Rio de la Plata entdeckt, in dem sich Hunderte perfekt erhaltene Masterschallplatten mit Titeln befinden, die nie den Markt erreicht haben.

Nun ist ja Weihnachten, das Fest der Ruhe und Besinnlichkeit, nur noch wenige Tage entfernt. Heißt: Jahres-End-Wahnsinn, Dezemberfieber, Geschenkestreß, Weihnachtsfeier-Dauereinsatz, Multitasking, Terminkompromisse (Definition: Ein Kompromiß ist die Lösung, mit der alle unzufrieden sind).

Und dann also Nostalgias.  Eine Blase aus Vergangenheit baut sich auf; geschützter Raum der Entschleunigung (ja, darüber habe ich schon mal geschrieben). Eben noch der Gedanke: Oje, morgen ist ja auch noch eine Milonga. Wie bekomme ich das denn im Terminpuzzle unter? Jetzt: ich freue mich auf diese zwei, drei Stunden.