Tango, Rezensionen und Video

Bin immer noch bei T&C Kapitel 5 (http://www.tangoandchaos.org/chapt_5video/1video_title.htm) – leider momentan ohne PC und damit ohne die Möglichkeit, die Videos anzuschauen. Na ja, Vorfreude ist auch eine Freude.

Dafür heute noch ein paar andere Lesetips. Das Folgende beginnt mit einer Rezension…interessant ist aber vor allem der Kommentar-Trialog, der sich daraus ergibt.

http://milongafuehrer.blogspot.ca/2013/10/nicole-nau-tanze-tango-mit-dem-leben.html?m=1

In der Sache würde es mich sehr reizen, meinen eigenen Senf dazuzugeben. Geht aber leider nicht…Pseudonym-technische Gründe. Vorschlagen würde ich zur Ergänzung aber mal, ein paar Nau-Peyreyra-Videos bei Youtube anzuschauen.

Last but not least…das hier -http://tangoplauderei.blogspot.de/2014/01/Festivals-Marathons-Encuentros-Christian-Tobler.html?m=1 – ist ebenfalls als Gesamtwerk aus Artikel und sehr facettenreicher Kommentare lesenswert.

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Noch eine kurze Frage

beziehungsweise…die Frage ist etwas länger, sie dürfte aber eine relativ kurze Antwort haben.

Vor einiger Zeit hatte ich über mein Experiment mit Deezer-Playlisten zu Kapitel 4 von T&C geschrieben. Die Abschnitte enthalten ja eingebettete Player für jeweils den im Text besprochenen Titel und ermöglichen somit das Hören. Der „added value“ der Playlisten ist also „nur“, alles hintereinander hören zu können, der leichte Zugriff auf benachbarte Musik und via die „alternatives“-Playliste auch andere Einspielungen der gleichen Titel griffbereit zu haben.

Der Einsatz: sich auf Deezer einzulassen, also Anmeldung und App installieren.

Hier nun die Frage: Hat es irgendwer ausprobiert und mit welchem Ergebnis?

Mein Workflow, um diese Listen effizient und mit eigenem Hör-Spaß zu erzeugen, benötigt 1 Desktop-PC mit gutem Sound und 1 Tablet. Ist derzeit mangels Hardware nicht umsetzbar (wird aber wieder). Ich lese aber weiter und es wird immer besser, daher hier schon mal Werbung für die nächsten Abschnitte:

http://www.tangoandchaos.org/chapt_4music/22tristezas.htm

und die nachfolgenden Seiten.

Ein paar Leserbriefe

Terpsi, wär super wenn Du mir die Zahl der Posts pro Jahr durchgeben könntest. Für die Grafik, you know. Per Kommentar oder wenns sein muß auch an yokoitob bei gmail.com.Und wär toll wenn Du mal wieder was schreiben würdest.

Haribold, irgendwo hattest Du mal sinngemäß geschrieben,Tango wäre für Dich eine Sprache zum körperlichen Ausdrücken oder Erleben von Musik. Die nicht zwingend auf Tangomusik begrenzt ist. Wollte nur anmerken, daß ich das so ähnlich sehe. Außer daß für mich -Du meintest soweit ich mich erinnere, Du wärst damit so gut wie durch – Tangomusik ziemlich okay dafür ist und ich hoffe, daß das noch eine Weile so bleibt.

So long…

Euer Y.

Warum tanzen Männer (nicht)?

Ich glaube, daß es Gerhard Riedl war, der mal geschrieben hat, daß er sich die Themen nicht sucht, sondern daß sie zu ihm kommen. So wie es aussieht, habe ich es jetzt auch gerade erlebt.
Fangen wir mit einem Post von Gerhard von vor ein paar Tagen an: http://milongafuehrer.blogspot.de/2015/08/ich-mag-publikum.html
Ehrlich gesagt hat dieser Text mich nicht so umgehauen, daß ich dazu was schreiben mußte. Nicht falsch verstehen – der Text ist ganz okay, aber Gerhard hat mich – vielleicht: uns – so mit richtig guten Posts verwöhnt, daß die Erwartungen einfach auch hoch sind.
Jedenfalls ist mir gerade auf dem Umweg über einen Blog-Post von Patrick (eigentlich sind es zwei: http://www.tangoblog.ch/tango2009.html#tangoblog179 und der Eintrag danach vom 24.4.2009) ein Text aufs Tablet gekommen, der thematisch ziemlich genau paßt, aber ein etwas anderes Bild zeichnet:
http://www.lloydianaspects.co.uk/evolve/menwont.html
Sagen wir es so: Ich glaube, Gerhard vertritt im Kern die Ansicht, daß Männer ihre Paarungschancen verbessern können, indem sie tanzen.
Die Gegenmeinung des Lloydian Aspects-Autors ist, daß Männer dabei eigentlich nicht viel gewinnen können, weshalb sie es lieber lassen.
Recht interessant übrigens auch: Dieser Autor meint, daß Tanzen den Frauen eigentlich etwas über die kämpferischen Fähigkeiten der Männer verrät, weil diese beiden Tätigkeiten ziemlich genau das gleiche Skillprofil haben…und weil Frauen in Wirklichkeit nur wissen wollen, ob die Männer sie und ihre Kinder gut beschützen können.

Und dann noch die Sache mit dem Riechen – Frauen wählen per Geruch, und Tanzen sei eine gute Gelegenheit, viele Männer unter gleichen Bedingungen und mit frischem (=hoch informationshaltigem) Schweiß durchzutesten.

Der Originaltext hierzu ist einfach so göttlich, daß ich ihn auszugsweise zitieren muß:

„One way a woman might get to smell fresh sweat on all the local men, would be to play vigorous sports with them. While this would be less dangerous than fighting them all, it would have its hazards, and most men can run rings round most women, and so this is unlikely to work very well. “

(mit „fighting them all“ spielt der Autor auf die zuvor diskutierte Möglichkeit an, daß Frauen zum Test der kämpferischen Möglichkeiten der Männer ja mit ihnen kämpfen könnten, was aber recht riskant und daher evolutionsmäßig nicht optimal sei).

Übrigens macht der Auto am Ende eine Vorhersage, als Angebot, seine Theorien zu verifizieren oder falsifizieren – gute Tänzer müßten mehr Affären haben als schlechte. Also los, Studenten auf der Suche nach einem Thesis-Thema…an die Arbeit!

Und ach ja…neulich hatte ich ja einen Text von Gerhard verlinkt, in dem es auch um das Bild der Tänzer aus Frauensicht ging ( http://milongafuehrer.blogspot.de/2015/08/sind-die-manner-wirklich-so.html). Auch dazu hat unser Autor etwas zu sagen: „Women will rate the likely future marital fidelity of men who dance well as lower than that of men who dance badly.  …The instincts of women are finely honed to be watchful of the straying attentions of men. If women rate good dancers as sexy, then they will also rate good dancers as more able to have affairs.“. Oh-oh, Gerhard!
Aber auch wenn mich hier der Spaß am Text dazu verleitet hat, mehr als nur etwas Kurzes zum Anfüttern zu schreiben…lest selbst …

(ob wohl meine eigenen Paarungschancen steigen, wenn ich drei Blogposts an einem Tag raushaue? ich fürchte nicht…)

Die Gala und das Weinen

An sich bin ich immer noch voller Freude beim Lesen von Tango and Chaos, aber als Leseabwechslung zwischendurch habe ich mir mal Tango Commuter (http://tangocommuter1.blogspot.de/) vorgenommen.

Dies ist der „dienstälteste“ Blog, den ich bisher kenne. Begonnen 2008, ist die Post-Frequenz immer noch recht hoch (Geduld…bald gibt es die Grafik…).

Allerdings hat sich beim Lesen – ich bin von „oben“, also bei den letzten Posts, eingestiegen – sehr bald etwas eingestellt, das ich das „Gala“-Gefühl nennen möchte. Damit meine ich die Kategorie Zeitschriften, die man beim Friseur oder in Wartezimmern findet. Für mich ist das Beschäftigungstherapie für die Augen, müßiges Durchblättern ohne echte Anteilnahme, nice-to-know-Information über Leute, die einem in Wirklichkeit ziemlich egal sind.

Warum ist das so? Gefühlt bietet TC drei Kategorien von Infos: Society-News von irgendwelchen Tango-Promis (oder anbetende Texte über selbige); Weinen darüber, wie schlimm die Piste in London ist und wie toll und einzigartig BsAs. Im Rest geht es hauptsächlich über Musik, aber irgendwie sprechen mich diese Texte nicht an, das habe ich anderswo schon besser gelesen.

Bestimmt bin ich jetzt total böse, gemein und ungerecht. Noch habe ich mir den frühen TC nicht angesehen, vielleicht ist er ja einfach degeneriert oder hat sich leergeschrieben. Meine Perspektive wird wohl auch von meiner aktuellen Primärlektüre beeinflußt, gegen die alles andere ein bißchen zwergenhaft wirkt. Ja, auch Rick McGarry ist BsAs-Fan und meckert rum, nur macht er es eben auf eine stilvolle, produktive kraftvolle Art.

Hierzu ein Zitat aus http://www.tangoandchaos.org/chapt_2secrets/11casatomada.html (Ende Absatz 3)

„There hasn’t been anything significant created in tango in almost 50 years. No new music, and no new words. The giants have been replaced by small people with large egos. The owners have left, and people are living among the ruins, arrogantly plundering the halls, and robbing the tombs.”

Das ist nicht meine Sichtweise; aber wenn schon Weinen, dann richtig. Wobei TC sogar Ricks Blog (an einer Stelle, die ich zu faul bin nochmal rauszusuchen) als eine wichtige Basis und Inspirationsquelle bezeichnet.

Bei dieser Gelegenheit habe ich mich auch gefragt, für wen all diese Blogger wohl schreiben. Ich stelle mir eine Verteilung der Population in Tangoland etwa so vor: 5-10% sind echte Aficionados, die ganz im Tango aufgehen und auch ihr Selbstverständnis und ihren sozialen Status fest mit dem Tango verbunden haben. Weitere 30-40% sind ernsthaft Praktizierende, die aber durchaus noch ein Leben außerhalb des Tangos haben; zu dieser Gruppe würde ich mich auch zählen. Die übrigen wären dann Leute, die vielleicht noch Kurse besuchen, die aber am „gesellschaftlichen Leben“ in Tangoland (Milongas etc.) wenig oder gar nicht teilnehmen. Meine anfängliche Vorstellung war, daß die beiden ersten Gruppen auch die Tangoblog-Leserschaft ausmachen. Zurzeit beschleicht mich der Verdacht, daß die Leserschaft eher nur die Aficionados sind.

Tango war ja die Musik der Unterschicht und bezieht seine Kraft daraus. Womit ich es in eine (unvollständige) Reihe mit dem Blues und auch zumindest dem frühen Hiphop stelle. Das würde dann auch in puncto „wohlige Gänsehaut bürgerlicher Schichten“, Getto-Romantik und so weiter passen.

Achtung aber jetzt, Bildwechsel hin zur Tango-Elite versus uns einfaches Tangovolk:  Wenn Tangoland die Film-Titanic wäre, würde ich mich wohl in der 3. Klasse am wohlsten fühlen. Ich denke da an die Szene, in der Kate Winslet bei einer, ahem, Kabinen-Spontanmilonga so richtig Spaß hat, während die blasierte Upper Class sich unter Kristall-Lüstern gepflegt langweilt. Bevor es jemand kommentar-schreibt: Ja, auch das mag eine Pose sein. Vielleicht ist es aber auch keine.

Ich habe nicht vor, auf meinem derzeitigen Tangolevel stehenzubleiben, und es gibt diverse Baustellen, die ich noch angehen muß und werde. Aber dazu brauche ich kein Buenos Aires; im Gegenteil glaube ich, daß diese Fixierung eher hinderlich sein kann. Erstmal ist die atmosphärische Dichte dort sicherlich extrem und kaum anderswo denkbar. Dazu kommt – auch hier verweise ich wieder auf Tango & Chaos – daß das Verstehen der Texte beim Tanzen eine große Rolle für die Umsetzung spielt. Rick beschreibt in einem Text so etwas wie kollektiven Wellen, eine bestimmte Bewegung aller Tänzer an bestimmten Stellen der Musik. Dies vergleicht er mit dem „Bewegungsrauschen“ auf üblichen Milongas, wo jeder seine eigene Bewegungswelt hat.

Das sind Dinge, die man beim besten Willen – realistischerweise – nicht in der entsprechenden Flächendichte einfach irgendwohin transportiert bekommt. Plus: BsAs ist nun mal verdammt weit weg. Woraus sich für mich die Schlußfolgerung ergibt, daß Ansätze in diese Richtung Zeitverschwendung sind. Besser ist es vielleicht – um das bekannte Schlüssel-Such-Bonmot zu nutzen – , das adäquate Tango-Feeling nicht dort zu suchen, wo Licht ist (das doch nur eine schwache Reflektion aus BsAs sein kann), sondern dort, wo man es vermuten könnte, nur eben vielleicht in anderer Form. Oder eben anderswo anderes Licht anzumachen, wobei man die Laternen nicht zwingend denen in BsAs nachbauen muß.

Das würde damit beginnen, Abstand von diesem „Überall ist Mist außer in BsAs (oder einem möglichst originalgetreuen Nachbau“)-Denken zu nehmen. Für mich liegt wie gesagt Inspiration im Thema „Gehen in der Musik“. Tangolehrer müssen von ihrer Kunst leben; sie brauchen also nicht nur Forderungen, sondern konkreten wirtschaftlichen Rückhalt von uns, ihren Kunden, ihren Brötchengebern. Zum Beispiel könnten sich einer lokalen Tango-Community sagen wir 5-10 Paare zusammentun, auf ihren Sensei zugehen und mit ihm einen Sonderkurs „bien parado, pisar bien. en el compas“ aufmachen.

Wenn man noch weiter gehen möchte: Das „Tango-Feeling“ findet sich auch in neuerer Musik, mit vielleicht auch nicht mehr spanischen, sondern englischen Texten. Für mich wären das beispielsweise einige Stücke von Snowy White. Aber das ist eine andere Geschichte.