Mal eben schnell

Gerade habe ich einen kleinen Rundgang auf den üblich-verdächtigen Tangoblogseiten gemacht und bin dadurch auf ein echtes Kleinod gestoßen.

Angefangen hat es mit Melinas Seite. Da auf meiner Löffel-Liste noch immer ein Encuentro-Besuch steht, habe ich mir dann den etwas älteren Post zum Thema Encuentros 2020 nochmal durchgelesen. Sie schreibt, daß sie nur solche Veranstaltungen besucht,  die zu einer zivilisierten Piste „ermuntern“ indem sie die die „codigos milongueros para la pista“ unterstützen.  Dann dachte ich, mal sehen, was passiert, wenn ich genau diesen Begriff in Google eingebe…und das ist an der Spitze der Trefferliste herausgekommen:

http://www.airesdemilonga.com/es/blog/83-blog/740-codigos-culturales-y-costumbres-en-la-milonga-y-la-pista

Logischerweise ist diese Seite auf Spanisch. Gut, dachte ich, schalten wir doch mal die Übersetzung in Deutsch ein (in Chrome). Das Ergebnis fand ich, na ja, süß. Gerade weil die Übersetzung nicht perfekt ist. Man kann es verstehen. Ich rege den Leser* an, es selbst auszuprobieren, wer weiß, auf welche Weise ich mich unbeliebt mache, wenn ich hier copy und paste im großen Stil betreibe.

* Sorry, Mädels aus Berlin..das ist eine Anmerkung und kein Teil eines Gendersternchenausdrucks…ich warte immer noch auf Euren Vorschlag, wie man ein gendersternchenenthaltendes Wort denn nun aussprechen/vorlesen soll. Gendermäßige PC-Beflissenheit steht auch 2020 nicht auf meiner Liste der guten Vorsätze, eher das Gegenteil davon.

Aber ein paar Sachen möchte ich doch zitieren:

„Das Zentrum ist für Anfänger reserviert und die Außenreihe für erfahrene Tänzer“. Oookaaay…

„Das Paar beginnt sofort zu tanzen und betritt den Track, um die tanzenden Paare nicht zu stören“ so viel zum Thema Argentinidad….gut, etwas weiter unten wird klar, daß dieser Hinweis wohl nur für Späteinsteiger gilt. Aber komisch ist es schon, daß so etwas extra codigisiert werden muß. Ich stelle mir gerade vor, wie ein Paar in eine laufende Tanda einsteigt und erst mal gemütlich zum Schwätzen stehen bleibt. Andererseits – leider viel zu oft ist die Vorwärtsbewegung in der Ronda spätestens nach dem ersten Stück der Tanda sowieso tot, weil irgend ein Platzdreherpaar den Fluß blockiert.

„Überholen Sie kein anderes Paar an der „blinden Seite des Menschen“, die sich rechts befindet.“ …soll wohl heißen, links vorbei geht schon, oder?

„Wenn zwischen den Paaren auf der Strecke wenig Platz ist, werden Haken und hohe Salven nicht ausgeführt und tanzen entsprechend dem Platz.“…aber sonst wird es offenbar als okay angesehen.

„Der erste Tango des Orchesters wird NICHT getanzt, er ist für die Show und wird in Stille betrachtet.“: das lese ich zum ersten Mal. Macht eigentlich nur Sinn für Live-Musik-Events? Interessant – ich wittere zeitgenössische Orchester in den heiligen Codigo-Hallen.

„Die ersten Takte eines jeden Tangos tanzen nicht. Dies dient vor allem dem Mann dazu, das Thema zu erkennen und „Ihre Ohren zu stimmen““. Klingt wie ein kleiner Widerspruch zum gleich Lostanzen, aber ich denke, hier ist das Vorspiel von typischerweise 8 Takten gemeint.

„Die Frau, die von einem Mann begleitet wird oder die zwei oder mehr Partien hintereinander mit demselben Mann getanzt hat, wird nicht zum Tanzen eingeladen (da es eine besondere Beziehung oder Akzeptanz zwischen ihnen gibt und diese nicht gestört werden sollte; mit Ausnahme, dass das Paar zeigt, dass sie mit anderen tanzen).“ Cool. Gefällt mir. Eine Art subtile Drohung an Doppelpersonen, würde ich sagen.

Was gibt es sonst Neues? Cassiel hat mal wieder was geschrieben (und ich habe auch ein bißchen kommentiert). Hab dann irgendwann aufgehört, weil das Thema dann wirklich auch mal gut war. Andererseits fällt mir gerade auf, daß ich versäumt habe, eine Theorie zu testen. Jede seiner Repliken in diesem kleinen Kommentarpingpong war etwa doppelt so lang wie die vorige. Ich hätte mal testen können, ob das wirklich so weitergeht (man möge hier an die Geschichte vom Schachbrett und den Reiskörnern denken). Aber ehrlich gesagt mag ich das „User Interface“ von Kommentarfunktionen nicht besonders.

Aufgefallen ist mir aber, daß Gerhard Riedl und Cassiel sich irgendwie spirituell näherkommen, jedenfalls auf einem Gebiet. Meine Wahrnehmung ist natürlich etwas schwarzweiß, aber ich bin gerade weder in der Stimmung für ausgewogen-vorsichtig herumeiernde Texte noch in Zitierlaune. Cassiel meint so wie ich ihn verstehe, die allermeisten Tangotänzer sind im Grund ziemlich unmusikalisch bzw. ihre Tanz-Skills reichen nicht aus, um komplexere Musik angemessen zu interpretieren. Gerhard vertritt meiner Wahrnehmung nach eine ziemlich ähnliche Ansicht.

So..damit das hier keine reine Textwüste wird, zum Abschluß noch ein Video-Link aus der Abteilung „so muß Milonga“….

Sayonara, liebe Leser…bis irgendwann mal wieder.

Ein Gedanke zu “Mal eben schnell

  1. Nein, da unterscheiden sich unsere Meinungen schon ziemlich. Nach meiner Ansicht würden Tanzende sehr schnell dazulernen, wenn man ihnen abwechslungsreichere, komplexere Musik böte. Diese Erfahrung mache ich fast stets auf den wenigen Milongas, die das wagen.
    Beim Ist-Zustand bin ich allerdings auch pessimistisch, das ist wahr.

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