Einfach

Daß Staubsaugen für mich Meditation in Bewegung ist, hatte ich schon mal geschrieben. Eine Woche im Schweigekloster oder einen Spaziergang durch die Wüste brauche ich nicht – eine halbe Stunde mit meinem Staubsauger reicht.

Es gibt Fragen, deren Antwort sehr binär ist – ja oder nein – und dann wieder unendlich kompliziert. Gerade eben kam eine solche Antwort, und viel wichtiger, der Weg dorthin. Und der Grund, warum ich das hier schreibe, ist die Tango-Analogie dabei.

Egal ob die Endphase einer Aufforderung akustisch oder optisch abläuft – es gibt eine Vorgeschichte. Oder es sollte sie geben. Ich spreche vom Wollen auf beiden Seiten. Ein Tanz kann zustandekommen, weil die Alternative Sitzen wäre. Möglichkeiten, Kompromisse zu machen, gibt es viele – die Musik kann nicht wirklich inspirierend sein; man hat vielleicht die Partnerin schon mal „ausprobiert“ und weiß, daß es sich nicht optimal anfühlt. Am anderen Ende der Skala wird natürlich statistisch gesehen die Luft dünn – die perfekte Musik, die perfekte Partnerin und dann noch eine Ronda, die den notwendigen Raum bietet, sich auch körperlich so auszudrücken, daß das volle Genußpotential stattfinden kann. Wir sollten also eher von einer Zone sprechen, eine Meßlatte, die nicht am höchsten denkbaren Punkt liegt.

Mit den Analogien ist es so eine Sache. Sie tragen ein Stück weit. Wenn man ihnen aber zuviel  zumutet, brechen sie auf unelegante Weise zusammen und verlieren dann auch die Funktion, für die sie eigentlich gut gewesen wären. Also noch ein letzter Blick in die Tangowelt, bevor es dann wieder zurück geht: Eine Supertänzerin, die einfach nur ein bißchen Bewegung will und beim Tanzen nebenher noch ein paar vierdimensionale Differentialgleichungen im Kopf löst, kann sicher rein technisch mehr abliefern und vielleicht sogar ein tolleres Tanzerlebnis erzeugen als jemand, die vor Verlangen und Motivation glüht und einfach nicht fürs Tanzen geschaffen ist (übrigens: ich verwende diese simple Beschreibung nur der Klarheit halber. Ich bin durchaus in der Lage zu erkennen, daß im entsprechenden Kontext ich derjenige sein könnte, dem die Skills fehlen).

Ich glaube, die wichtigste Essenz ist dieses Gewollt-werden. Gerne ein Ja, aber: ja, aber nur diese Tanda. Ja, aber nur gemeinsame Theaterbesuche und keine Berührungen. Ja. Aber nur wilde, zügellose Nächte und kein Gequatsche davor oder danach.

Nur nicht ein Ja, wenn: Wenn Du den Bart abrasierst. Wenn Du nicht mehr jeden Juni mit Deinen Motorradkumpels die Baja California langfährst. Kein „die Hardware nehme ich schon mal, wir kriegen da schon eine andere Software drüberinstalliert“.

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