Something old, something new, something borrowed, something blue

Offends you my driving does?

A shit I don’t give

(Master Yoda Merchandise, vermutlich unautorisiert)

Nein, es soll hier nicht um die Tardis gehen. Sondern um ein paar Sachen aus meinem Zettelkasten – wer einen gemeinsamen Nenner findet, darf ihn behalten.

Fangen wir mit „old“ und gleichzeitig „borrowed“ an: Ein Blogpost von Vio, der schätzungsweise aus 2014 stammt (ein Datum an solchen Posts wäre schick): Fundamentalism.

Ich erlaube mir mal eine freie Übersetzung (unautorisiert, hoffe, das ist okay, Vio…)

Um 2014 sieht der globale hegemoniale Standpunkt zum Tango so aus: Er nennt sich selbst „Social Dancing“ und basiert auf den Elementen (angeblicher) Traditionalismus, Inklusivität (über Level hinweg, aber innerhalb von Freundeskreisen oder Cliquen) sowie Popularisierung in Form eines niedrigen Stellenwerts von Leistung und harter Arbeit.

Die definierenden Merkmale sind:

  • Musik: Traditionelle Tangomusik, komponiert und eingespielt vor 1950, wird als besser zum Tangotanzen angesehen, weil sie musikalisch reicher und komplexer sei. Schnelle und rhythmische Musik wird dabei vorgezogen, weil sie eher den Anschein von Musikalität erzeugen kann, wenn mit untrainierten Führenden getanzt wird, die es nicht hinbekommen, dramatische Musik mit langsamen Schritten zu verbinden.
  • Führen: Ein guter Führender konstruiert einen physischen Rahmen und verwendet ein simples Vokabular, um auch unerfahrenen Frauen eine nette Zeit auf der Tanzfläche zu bereiten.
  • Wahl der Tanzpartner: Männer sollten mit den Anfängerinnen tanzen, und können genauso gut die aussuchen, die am meisten sexy Beine zeigen. Umgekehrte Cabeceos sind okay, weil die Priorität der Führenden sozial und nicht künstlerisch ist.
  • Genuß: Der Genuß für die Führenden wird maximal, wenn es einen gleichmäßigen, reibungslosen Tanzfluß im gesamten Raum gibt, sie (von Folgenden) begehrt werden, eine schöne Umarmung genießen und die Musik würdigen können. Der Genuß für die Folgenden entsteht daraus, zärtlich, mit Musikalität, dominiert zu werden.
  • Sicherheit: Um die Sicherheit aller Tänzer zu gewährleisten, sollen große Schritte vermieden werden. Folgende sollen den Luftraum nicht für ihre Beine nutzen.
  • Stolz: Der Stolz der Führenden entsteht aus dem Besitz der Ronda, Meisterschaft (das Wörterbuch bietet hier auch „Überlegenheit“ an), Geschmeidigkeit und Eleganz. Er tut daher nur Dinge, bei denen er sich sicher ist, daß er sie in dieser Form beherrscht. Der Stolz der Folgenden entsteht aus dem Gehorsam.

Wenn Ihr mich fragt, klingt dieser Post im Englischen schon etwas mehr als nur ein klein wenig pissed. Ich habe daher bei der Wortwahl versucht, dieses Gefühl zu transportieren. Mit anderen Worten, es ist eine subjektive Interpretation. Aus der Position einer Tänzerin wie Vio (die ich wirklich beeindruckend finde) ist dieses Gefühl für mich vollkommen nachvollziehbar. Aber, Vio, kleiner Trost von mir: Modeströmungen sind wie Straßenbahnen…kommen immer neue. Und es können ja auch mehrere koexistieren, wenn das Soziotop groß genug ist.

A propos langsame Schritte und dramatische Musik: Ich erinnere mich an ein Youtube-Video mit Vio, bei dem sie irgendwo im Freien zu einer dubstep-artigen Musik tanzt. Trotz intensiver Suche (fast 10 Minuten!!) finde ich es nicht mehr. Stattdessen etwas Musik, bei dem ich mir Derartiges gut vorstellen kann:

Damit hätten wir dann auch „Blue“ abgedeckt.

Noch ein kleiner Querbezug zum Thema pissed – hatte ich hier schon mal geschrieben, daß der „Baaliner Kulturchauvinismus“ auf meiner Nüsse-Liste steht (Dinge, die mir auf die Nüsse gehen)? Was ich immer so über Berlinos Aires lese, ist natürlich ein Paradebeispiel für den (derzeit recht erfolgreichen) Versuch, eine positive Rückkopplung zu erzeugen – famous for being famous. Ein nettes Geschäftsmodell. Ich denke dabei an Autoren wie Ralf Sartori bzw an alle, die die Citizenship der behaupteten Tangometropole zum Aufpolieren des eigenen Halos nutzen, woraus sich wieder eine Mengenzunahme der Referenzen auf besagten Metropolenstatus ergibt und so weiter. Aber immerhin: In Berlinos Aires scheint es ja eine ziemlich bunte Mischung von Strömungen zu geben, ein variantenreiches Soziotop, in der Vios Spezies genauso gedeihen kann wie die Hardcore-Tradiszene.

Aber hey, Berliner, eure subventionsgefütterte Stadt ist auch nicht bunter als Metropolregionen wie, sagen wir mal, die flächenmäßig vergleichbar große Stadt Rhein-Main. Und dafür, daß eure PR-Abteilung mehr Feuerkraft hat, gibt es im Rhein-Main-Gebiet einen richtigen Flughafen. Abgesehen davon, schaut mal auf die Landkarte – eine der Städte ist europamäßig gesehen wirklich zentral – und Berlin ist es irgendwie nicht. Nicht mehr ganz Küstenrandregion und noch nicht Sibirien.

„New“: die Zeit wird knapp. Vor der Milonga heute nachmittag muß ich noch ein bißchen spielen gehen. Ich mogele mich mal grade billig aus der Affäre und behaupte, daß damit die Tatsache eines neuen Blogposts gemeint ist. Ach nein, Moment – es gibt, wie ich bei Gerhard gelernt habe, einen neuen Tangoblog: Abrazos.de. Oh.My.God.

Noch ein Goodie zur Kombination „Blue“ und „Old“, auch ein ganz netter Nontango:

 

 

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4 Gedanken zu “Something old, something new, something borrowed, something blue

  1. Wenn mehr Leute Tango tanzen konnten, mehr Genuss dabei hatten sowie sich weniger angestrengt und getreten haben, dann war das eine tolle Entwicklung.
    Aber nun sind vier Jahre vergangen, ich denke das Figurenschwingen erwacht unter dem Label „Neo“ zu neuem Leben.

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  2. Ich glaube ja nicht, dass der Tango in Berlin eine PR-Abteilung hat. Zumindest habe ich habe schon lange nichts Positives(!) mehr darüber gelesen. Die nächste tangomotivierte Städtetour führt mich nach Paris…

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    1. Also wegen mir brauchen die Veranstaltungen nicht nach Tanzstil getrennt zu werden. Nach Musikstil reicht mir völlig, in unserer reichen Republik ist doch oft mehr als genug Platz auf der Tanzfläche.

      Bedenkenswert finde ich es, dass laut Vio ein Traditionalist auf einer Milonga nur Dinge tut, bei denen er sich sicher ist, daß er sie in dieser Form beherrscht. Der schwierigere Nuevo-Stil scheint ihr wie mir für die Mehrheit der Tänzer auf einer Milonga nicht hinreichend beherrschbar zu sein.

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