Gender-Selektion revisited: Die Survey- Auswertung

DSCN0226Im April dieses Jahres hatte ich ja eine – etwas chaotische – Umfrage zum Thema „Geschlechterselektion“ angelegt. Chaotisch deshalb, weil ich erst mit einer SurveyMonkey-Umfrage gestartet bin. Nach einigen Tagen ist mir dann aufgefallen, daß die kostenlose Version nur maximal hundert Teilnehmer erlaubt, so daß ich noch eine Google Docs- und eine Q-Set-Version nachgeschoben habe. Zwei deshalb, weil bei Google Docs die Anmeldung mit einem Google-Benutzerkonto notwendig ist; ich hatte befürchtet, daß das vielleicht Leute von der Teilnahme abhält.

Nochmal kurz zur Erinnerung – abgefragt habe ich

  • das Heimatland
  • Geschlecht und Tanzrolle
  • Tango-Alter
  • Milonga-Besuchsfrequenz
  • Nutzung bzw. Besuchsabsichten von Marathons
  • Nutzung bzw. Besuchsabsichten von Encuentros
  • und vor allem natürlich die Einstellung zu Geschlechter-Selektion

Wer es genau wissen will – hier ist nochmal der Link zur SurveyMonkey-Umfrage, die anderen Varianten haben die gleichen Fragen.

Na ja – viel gelernt, zum Beispiel, daß ich mir gar nicht so einen Kopf hätte machen müssen. Was natürlich an der doch recht bescheidenen Reichweite dieses Blogs kombiniert mit der Tatsache liegt, daß die Ausbeute (angesprochene Personen vs. Teilnehmer) bei Umfragen in der Regel bei nur etwa 1 bis 10% liegt.

Zumindest was das angeht scheint die Antwortbereitschaft von tangoblogblog-Lesern größer zu sein – wenn ich die Statistiken meines Blogs nehme,  schätze ich, daß ich in Summe nicht mehr als vielleicht 100 „ernsthafte“ Leser habe.

Ach ja, one more thing: ich hatte einige Blogger mit der Bitte angeschrieben, den Link zur Umfrage bei sich zu veröffentlichen. Bis auf Gerhard Riedl hat das niemand getan (in einigen Fällen habe ich netterweise eine direkte Absage bekommen, in anderen nicht). Ich bin mir nicht sicher, was hinter diesem Desinteresse steckt – ob das die Besorgnis war, daß Leser abgesaugt werden können (Kollege Cassiel hatte sich in dieser Richtung mal als etwas dünnhäutig offenbart), daß etwas „politisch Unerwünschtes“ rauskommen würde oder ob sie eine solche Umfrage einfach nur blödsinnig fanden.

Okay – also wie war der Rücklauf denn jetzt eigentlich?

Bei SurveyMonkey gab es insgesamt 24 ausgefüllte Fragebögen, bei Google Docs nochmal 10; bei Q-Set genau null. Die meisten dieser Antworten kamen in den ersten 14 Tagen  nach der Veröffentlichung rein, die letzten Anfang Mai, also etwa 6 Wochen nach Veröffentlichung. WordPress sagt mir, daß durchaus neue Leser hinzugekommen sind; das dürfte dann wohl heißen, daß der Mobilisierungseffekt relativ schnell abflaut (was sich mit anderen Informationen, die ich über solche Umfragen habe, deckt) bzw. daß Neuleser des Blogs nicht unbedingt alle älteren Posts lesen.

Bei dieser Stichprobengröße wäre es albern, mit irgendwelchen Statistiken zu kommen. Zumal ich vermute, daß die Umfrageergebnisse mehr über die Zusammensetzung zumindest meiner Blog-Leserschaft aussagen als repräsentativ für die Tangoland-Bewohner zu sein.

Das fängt damit an, daß unter den insgesamt 34 Antwortenden nur sechs Frauen sind (ca. 18%). Von Auch das Level – beider Geschlechter – scheint recht hoch zu sein; das zeigt sich etwa darin, dass 3 der 6 Frauen beide Rollen tanzen (und sogar 7 von 28 Männern! Folgende Männer sind zumindest in meiner Milonga-Umgebung ein absolut seltener Anblick, vielleicht ist das in Tango-Metropolen wie Baalin anders). Auch beim Tango-Alter sind fast die Hälfte in der 10+ Jahre-Kategorie.

Wenn ich mir andere Blogs (und die Kommentare/Diskussionen) ansehe, vermute ich, daß die Kerle generell die deutliche Mehrheit haben, und daß es dort tendenziell mehr Tango-Silberrücken als Newbies gibt, erscheint mir auch nachvollziehbar

Damit ich das im Folgenden nicht immer wieder nebensatzmäßig schreiben muß – ja, es können natürlich einzelne Leute mehrfach geantwortet haben, und natürlich kann jeder einzelne Fragebogen von vorne bis hinten geschummelt sein. Was die Nachkommastellen angeht – bei 34 Samples reden wir günstigstenfalls von einer statistischen Unsicherheit im mittleren einstelligen Prozentpunktbereich, eher von etwas Zweistelligem.

Mich hat natürlich am meisten interessiert, was die Leute von der Geschlechterselektion halten. Von den 3 „Follower“-Frauen sagen 2, daß sie es nicht mögen, aber trotzdem solche Events besuchen; eine schreibt, sie geht deswegen nicht zu solchen Veranstaltungen. Bei den 2-Rollen-Frauen sagt eine, daß es die Atmosphäre auf Events verbessert, eine mag es nicht und eine sagt, es sei ihr egal. Okay, ganz konsistent sind die Antworten nicht; eine der „gehe trotzdem hin“-Antworten sagt gleichzeitig, daß sie weder Encuentros noch Marathons besucht (gabs auch einmal bei den Herren; habe ich da eine Event-Art vergessen, die auch Geschlechterselektion praktiziert?)

Bei den Herren sieht es komplett anders aus. Eine kleine relative Mehrheit (11 von 28, also etwa 40%) findet, daß Geschlechterselektion die Atmosphäre verbessert; 8 (knapp 30%) mögen es nicht, und den übrigen 9. also etwas mehr als 30% ist es egal. Die meisten, die es nicht mögen, nennen es auch als Grund nennen, keine solchen Events zu besuchen bzw. nicht mehr zu besuchen.

Okay, was fangen wir jetzt mit diesen Informationen an? Die Zahlen sehen erstmal so aus, als fänden eine Menge (männliche) Leute, daß GS (ab hier werde ich diese Abkürzung verwenden, weil ich das häufige Vorkommen eines so langen Worts langweilig finde) etwas Gutes ist. Soweit ich mich an die anderen Texte zu diesem Thema (und auch 1-2 Gespräche) erinnere, weil der „gefühlte Tanzdruck“ dann geringer ist. Andererseits scheint GS aber auch viele davon abzuhalten, solche Events zu besuchen – wenn der Frauenüberschuß wirklich so ein Problem ist, wie es von manchen dargestellt wird, ist das Fehlen dieser Gruppe dann ja auch ein Problem.

An dieser Stelle werde ich aber jetzt mit den Zahlen mal aufhören und zum Philosophischen übergehen. Beziehungsweise versuchen, die Logik ins Spiel zu bringen.

Aus Frauensicht kann ich nachvollziehen, daß GS charmant ist – Jedenfalls wenn frau es geschafft hat, erst mal auf so ein Event zu gelangen. Was sicher etwas einfacher ist, wenn sie zu „friends and family of the organizers“ gehört. Da ich nie Frau war, fehlt mir das eigene Erleben dieser Perspektive beziehungsweise des stundenlangen Sitzens. Gut möglich, daß es unter dem Strich netter ist, vorweg über ein paar Stöckchen zu springen, um dann ein paar Stunden oder Tage lang in einer Atmosphäre mit höherer Tanzwahrscheinlichkeit zu sein.

Wie Annette vor einiger Zeit mal in einem Kommentar angemerkt hat, gibt es bei den Frauen natürlich die Gruppe der „Superprofiteure“ – das wären dann die verbandelten Damen, die nicht nur eine zweibeinige Eintrittskarte ihr Eigen nennen, sondern sogar noch weniger Damenkonkurrenz haben als auf non-GS-Milongas.

Aus der Männerperspektive ist die Sache schon vielschichtiger. Erstmal – sorry, Ladies – ist es ja schon nicht übel, eine größere Auswahl zu haben (vom Ego und aus der Oxytocin-Perspektive sowieso; aber auch was die Wahrnehmungsvielfalt auf der Tango-Lernkurve angeht).

Warum also sollte mann sich freiwillig in eine Situation begeben, in der das nicht der Fall ist? Es müßte da schon ein Gegenbonus her. Das könnte zum Beispiel die höhere Chance sein, eine wirklich gute Tänzerin zu erwischen.

Dazu müßten wir annehmen, daß Events mit GS erstmal eine entsprechende Filtereigenschaft haben – also einen höheren Prozentsatz erreichbarer guter Tänzerinnen erzeugen als auf einer x-beliebigen Milonga.

Andererseits – wenn das ganze Frauenüberschuß-Narrativ, das die Begründung für GS darstellt, wirklich stimmt: die Gesamtzahl der für einen Tänzer erreichbaren Partnerinnen sollte auf Non-GS-Events höher sein. Somit bedeutet GS nicht automatisch, daß die „Kontaktwahrscheinlichkeit“ auch steigt, weil die anwesenden Damen ja mehr potentielle Aufforderer haben.

Möglich wäre natürlich auch, daß das Motiv für die Herren das gute Gefühl ist, den Damen etwas Gutes zu tun. Die ganze Geschichte steht und fällt ja damit, daß es genug Herren gibt, die  sozusagen ihren Körper zur Verfügung stellen, damit die erfolgreich selektierten Damen dann ausreichend viele Tanzpartner haben.  Gehört habe ich allerdings, daß es auch Herren gibt, die in puncto Gegenleistung weniger edle Motive haben. Zum Beispiel (pfui, wer hier etwas anderes erwartet hat zu lesen) die Bereitschaft einer GS-Event-interessierten Dame, auf lokalen Milongas tanzmäßig spendabler zu sein, als es unter dem Aspekt ihres Levels zum Level des Herrn sonst der Fall wäre.

Aus der Herrenperspektive würde ich noch darauf hinweisen, daß es vielleicht noch einen weiteren Effekt gibt, den ich mal „paradox“ nennen möchte. Nehmen wir an, daß in einem bestimmten Einzugsgebiet 100 Führende (m) und 130 Folgende (f) leben. Das wäre ein f-Faktor von 1,3 (ehrlich gesagt kann ich mich an nur wenige Milongas mit einem so krassen Verhältnis erinnern, aber das ist vielleicht eine lokale Spezialität). Sagen wir dann, es gehen je 30 auf eine GS-Veranstaltung. Das erhöht den f-Faktor für die Daheimgebliebenen auf etwa 1,43. Je nach Standpunkt also ein höherer Streß für die armen Männer – oder eine noch größere Auswahl für die Glückspilze.

Was wäre, auch so als kleines Gedankenexperiment, wenn es nur noch GS-Events gäbe? Das wäre dann sowas wie der „Kino-Effekt“ – wenn einer aufsteht, um besser zu sehen, zwingt er alle hinter ihm, das auch zu tun – am Ende sind alle schlechter dran.

Abgesehen von den m- und f-Teilnehmern gibt es nebenbei bemerkt noch eine dritte Stakeholder-Gruppe – die Veranstalter selbst. GS ist für sie wahrscheinlich etwas Gutes, denn es verstärkt den Druck, sich frühzeitig anzumelden und erhöht damit die Planungssicherheit der Veranstalter. Abgesehen davon hat eine Veranstaltung mit Exklusivitätscharakter (für viele, jedenfalls) einen höheren Attraktivitätswert.

Interessieren würde mich, so als Abschluß des Ganzen, wieweit die Qualitätswahrnehmung bei Teilnehmern von geschlossenen Veranstaltungen aussieht. Einerseits sind die Ansprüche bestimmt hoch – wenn man sich monatelang im Voraus festlegt, sind die Erwartungen an den Event sicher hoch. Andererseits kann es sein, daß man sich – weil man ja schon so viel Aufwand reingesteckt hat -weniger gern eingesteht, daß es sich vielleicht nicht gelohnt hat.

10 Gedanken zu “Gender-Selektion revisited: Die Survey- Auswertung

  1. Die geschlossenen Veranstaltungen funktionieren ganz simpel: 100% traditionell, meist ausgebucht und entsprechend wenig Platz. Das schreckt Anfänger/Mittelstufler ab > überwiegend gute Tänzer dort. Gender-ausgeglichen ist es auch, deshalb sehr entspannt für Frauen und Männer > gute Tänze für alle Beteiligten und niemand tanzt Sozialtandas. Deshalb ja: diese Events besitzen diese Filter-Eigenschaft, die du ansprichst.
    Ich war heuer bisher auf fünf solchen Veranstaltungen und drei davon waren sehr gut, zwei waren sosolala. Die letzteren waren sehr klein und, wie sich herausgestellt hat, doch nicht so richtig genderausgeglichen. Ob die Genderparität Ursache oder Wirkung war, überlasse ich deiner statistischen Auswertung. Ein großes Tangofestival um Ostern herum war definitiv nicht GS und trotzdem sehr gut (in meiner Gesamtwahrnehmung), aber viele Damen saßen auch viel herum.
    Das mit dem Exklusivitätscharacter kann ich nicht bestätigen. Vielleicht für Einzelfrauen, aber ich/wir melden uns paarweise an, da ist nichts exklusiv. Wenn wir früh genug dran sind, kommen wir auf alle Veranstaltungen, die wir besuchen möchten.
    Was mir an den GS-Events allerdings immer wieder positiv auffällt, ist die Abgeklärtheit der Teilnehmer. Die meisten Tandas sind gut, manche sind traumhaft. Nach den traumhaften folgt ein Küßchen, einmal fest drücken, dann dreht sich jeder um und sucht den nächsten Traumpartner für die nächste Tanda. Keine Unterschwelligkeiten. Soziale Interaktion ist oberflächlich und unkompliziert. Und die folgende Facebook-Freundschaft dient in Wirklichkeit nur dazu, rechtzeitig vom nächsten Encuentro informiert zu werden. Man optimiert einfach die wechselseitige Oxytocin-Produktion. Nicht mehr, nicht weniger.

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    1. Ja, das entspricht dem Bild, das ich habe. Mein Ding ist es nicht…ich schätze Flexibilität, und ich habe kein Interesse, die Ausbreitung solcher Strukturen in meiner Tango-Nachbarschaft zu fördern, indem ich an solchen Veranstaltungen teilnehme. Auch wenn die Qualität ein klein wenig höher wäre – mich monatelang im Voraus terminlich zu binden ist es mir nicht wert, mein Leben ist schon so voll genug mit Commitments. Aber ich bin sicher, dass es Gruppen gibt, für die diese Sache gut funktioniert.

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  2. Ach ja…und so als Nachgedanke…während einer Tanda haben wir ja de facto, auf der Tanzfläche, GS. So viel anders sind geschlossene Events aus dieser Perspektive also nicht. Gemeinsamkeit: je ausgebuchter, sprich voller die Piste ist, desto mehr reduziert sich das Bewegungsportfolio. Mit dem Risiko einer vielleicht unmerklichen aber fortschreitenden Spirale in die Stagnation.

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  3. Stagnation ► das halte ich für Quatsch.
    Die/der durchschnittliche Encuentroteilnehmer/in sucht sich diese sogenannte „Reduktion“ bewusst aus. Nicht die Formvielfalt wird reduziert, lediglich das beanspruchte Volumen des einzelnen Tanzpaars.

    Aus (meiner) Sicht des Führenden:
    Erstens
    Es ist ein enormer Zugewinn an Spaß, wenn ich eine D’Arienzo/Echagüe Tanda in dichtester Enge zu den Nachbarpaaren „abfetzen“ kann und dennoch keinerlei Kollisionen habe. Warum? Weil überall um mich herum in der Ronda Tanzpaare höheren Navigierniveaus agieren. Und nicht etwa, weil alle einen unnötig großen Sicherheitsabstand zu mir einbauen.
    Wenn beim „Samstagstanztee“ einer Wochenendmilonga viel Platz ist, dann sollte jeder ohne Kollision tanzen können. Dort kann man diesen zusätzlichen Spaßfaktor aber leider nicht simulieren 😦
    Zweitens
    So gut wie jede Encuentro-besuchende Dame beherrscht Colgadas, Volcadas et. al.; sowie neben der geschlossenen Tanzhaltung auch die „offene“. Da allerdings auch das Niveau der echten „Umarmung“ normalerweise bei allen Teilnehmern gut entwickelt ist, wird einfach ungern auf eine Umarmung verzichtet. In meinen Augen sind „schlechte“ Umarmungen (weshalb auch immer sie schlecht sein mögen) die wirkliche Reduktion im Tango.
    Drittens
    Bei Fresedo/Ray kann auch ich die Augen schließen und muss nicht ständig für die anderen Männer um mich herum mitdenken, nur damit keine Kollision passiert.

    Yokoito; mein dringender Vorschlag an dich wäre nach wie vor: Probiere doch mal ein hochwertiges Encuentro aus – probiere dort ruhig deinen kompletten Formenschatz an „Figuren“ aus! Du wirst sehen: alles darf gemacht werden. Keine Dame wird gegen eine deiner Bewegungen sein, solange die Umarmung „schön“ ist und alle Nachbarn das Gefühl haben, dass Du ein Verständnis von kollisionsfreiem Navigieren besitzt.
    Die [„Abgeklärtheit der Teilnehmer“] steht nämlich wirklich im großen Gegensatz zur Befindlichkeit vieler sonstiger Tangotänzerinnen und Tänzer.

    [„…ich habe kein Interesse, die Ausbreitung solcher Strukturen in meiner Tango-Nachbarschaft zu fördern, indem ich an solchen Veranstaltungen teilnehme.“] ► Wer diese Strukturen nicht persönlich erlebt hat, der kann lediglich darüber spekulieren. Wer sie hingegen tatsächlich erfahren hat, der kann (noch) besser Kritik üben.

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    1. Lieber der aus dem Süden,
      Deine Begeisterung in allen Ehren – aber entweder hast Du in puncto Normalmilongas eine Menge schlechte Erfahrungen gemacht oder Du bist wesentlich anspruchsvoller als ich. Ich habe selbst noch keine Encuentros ausprobiert, stimmt; aber ich habe mich schon mit diversen Leuten unterhalten, und was ich da so gehört habe, hat mich nicht dazu motiviert, den Zusatzaufwand zu treiben.
      Was die „kosmischen Tandas“ angeht – dazu könnte ich viel schreiben, will es aber nicht. Die Kurzversion ist jedenfalls, daß ich da durchaus zufrieden mit meiner Erlebnisdichte bin.
      Nimms mir nicht übel, wenn ich dazu noch erwähne, daß ich auch Sex-mäßig ganz gut versorgt bin und von daher Tango nicht meine einzige Oxytocin-Quelle ist; ich weiß nicht, wie es Dir dabei geht, ich habe nur manchmal angesichts mancher Lobpreisungen von Tango-Erlebnissen den Eindruck, da könnte anderswo was fehlen.
      Und ich finde die eine oder andere nicht so tolle Tanda zwischendurch auch nicht wirklich schlimm; das hilft, die Perspektive zu behalten.
      Was Du über Umarmungen schreibst, kann ich aus eigener Erfahrung bestätigen – ergänzen würde ich allerdings noch, daß Encuentros ja schon oft irgendwie mit dem Paket „Hardcore-Tradi“ verbunden sind (auch von diesem „Exhibitionist moves“-Ding abgesehen). Jedenfalls gibt es doch so das eine oder andere, was sich bewegungsmäßig in „eng“ nicht so gut anfühlt.
      Glaub mir – ich weiß schon, worüber ich rede. Was die strategische Komponente meiner Einstellung angeht: Ich möchte nicht, daß Veranstalter in meiner Region auf die Idee kommen, daß Voranmeldung toll ist und Standard werden sollte. Genausowenig wie ich nur noch Restaurants um mich herum haben will, in denen man einen Monat vorher reservieren muß. Als Kunde sorge ich für die notwendigen Marktsignale, und klar kann ich Pech haben und zu wenige andere Leute denken wie ich. Jedenfalls – den Preis dafür, vielleicht mal die eine oder andere Spitzentanda zu verpassen (siehe oben), finde ich absolut akzeptabel.

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    2. Reduktion aussuchen? Die die ich bisher gesehen habe und oft auch kenne, können nichts anderes als das Minimalistische, egal ob Platz oder nicht. Oft nur ein Abspulen von Wiederholungen 2er oder 3 verschiedene aber eintrainierter Bewegungen, von der Beziehung zum Geräusch befreit was aus dem Lautsprecher kommt. Positiv: Für Frauen eine Möglichkeit oft zum Tanzen zu kommen, deren Niveaus liegt aber meist um einiges höher als das der männlichen Teilnehmer solcher Veranstaltungen. Wenn wenig Platz ist, ist der Veranstalter zu gierig, was schlauerweise als Prädikat verkauft wird. Solche Veranstaltungen werden meines Erachtens völlig überbewertet. Ja ich war schon da, mehr als einmal um mir ein Bild zu machen.

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  4. Yokoito;
    natürlich mache ich sowohl schlechte wie gute Erfahrungen in Normalmilongas. Und ich besuche auch fast ausschließlich Normalmilongas – alles andere ist die reinste Ausnahme.

    Die von mir besuchten regulären Milongas reichen im Tanzniveau von grottenschlecht bis hervorragend.
    Ein Milongabesuch hängt bei mir auch nicht allein vom vorherrschenden Tanzniveau ab. Andere Gründe (Ambiente, Herzlichkeit, Erreichbarkeit, Neugierde auf Neues oder auf Veränderungen, plötzlich auftauchende Freizeit, …) können ebenso den Ausschlag geben.
    Die Suche nach „kosmischen Tandas“ sind auch nicht meine Motivation. Das würde mich auf ALLEN Tangoveranstaltungen unzufriedener machen. Tatsächlich bin ich aber fast IMMER auf ALLEN Tangoveranstaltungen glücklich!
    Von Zeit zu Zeit erlebt man eben eine „sehr außergewöhnliche“ Tanda. Das kann einem aber überall passieren und es ist nicht herbeiführbar. Man sollte solches auch auf Encuentros KEINESFALLS erwarten.

    Ferner habe ich bereits eines an mir selbst erfahren (müssen):
    Mit dem Steigen des eigenen Vermögens, gibt es immer weniger Damen, mit denen man am eigenen Limit tanzen kann. Zuerst schleichend in der eigenen Stadt, dann zunehmend auch auf überregionalen Veranstaltungen.
    Dies gilt im Übrigen sicherlich für alle Könner eine speziellen Disziplin. Egal ob Sport, Musik, Literatur oder andere Künste. Und das mach natürlich gelegentlich einsam.
    Sofern Du noch immer in der Lage bist, dich tänzerisch zu verbessern, so besteht leider „Hoffnung“, dass Du diese Erfahrung eines Tages machen wirst. Ist aber nicht unbedingt erstrebenswert, denn dann sinkt möglicherweise auch deine „Erlebnisdichte“. Aber vielleicht tanze ich auch zu sehr in der Provinz.
    Bei solchem „Schicksal“ muss man eben Im Tango nach anderen Dingen als dem eigenen Limit suchen. Sonst sitzt man irgendwann nur noch herum, in frommer Erwartung der „perfekten Welle“.
    Für solche »Erwartungssitzer/innen« empfehle ich eine Einzelsportart wie Schwimmen oder Speerwerfen. Da kann man sein persönliches Limit allein an sich selbst, ohne äußere Zwänge ausloten.
    Und man bekommt bei so messbaren dingen wie Zeit oder Weite ganz schnell eine ziemlich objektive Rückmeldung bezüglich des eigenen Vermögens…

    Aber natürlich ist es keinesfalls schlimm, wenn man mit weniger Talent, Musikalität und körperlichem Geschick als andere ausgestattet ist. Oder nur keinen oder schlechteren Unterricht nimmt. Der Vorteil ist sogar: Die Auswahl an höherklassigen Partnern bleibt auf immer groß.

    Wenn Du jedenfalls davon überzeugt bist, ein guter Tänzer zu sein – dann solltest Du dir in der Tat ein eigenes Bild von Encuentros machen (versprochen: das war jetzt meine letzte Aufforderung : – ) … ab jetzt respektiere ich kommentarlos deine Einstellung zu den von Dir genannten Gründen).
    Aus persönlichen Gesprächen (RL) kenne ich nämlich keinen (MEINER Einschätzung nach) guten Tänzer, der solche Veranstaltungen nicht genießen würde. Dafür aber einige Tänzer, die ihr eigenes Vermögen, sowie das Vermögen ihrer üblichen Tanzpartnerinnen neu verorten mussten, nachdem sie solche Veranstaltungen besucht hatten. Oder Sie (die aller ignorantesten der schlechten Tänzer) haben den Besuch solcher Veranstaltungen aufgegeben, weil sie sich wundern, weshalb sie nicht ausreichend Tanzpartnerinnen finden… (Trotz GS!).

    [„Jedenfalls gibt es doch so das eine oder andere, was sich bewegungsmäßig in „eng“ nicht so gut anfühlt.“]
    Was soll das denn bitte sein?
    Es gibt meiner bisherigen Erfahrung (und meinem bisherigen Können entsprechend) weniges, das sich in „eng“ nicht mindestens ebenso gut anfühlt wie in „weit“.
    Für viele Dinge gibt es ja keine Namen, aber wer beispielsweise „back sacadas“ (noch) nicht eng tanzen kann, der muss halt noch üben, bis es sich auch „eng“ mindestens so gut anfühlt wie weit.
    Aber das ist erlernbar (habe ich gehört…). Und dann eben auch nur mit weniger Tanzpartnerinnen tanzbar – es gehören eben immer zwei dazu.
    Ich bestreite nicht, dass es auch höchst interessante Dinge gibt, die man NUR AUSSCHLIESSLICH weit machen kann. Aber ich behaupte einfach mal: damit sich das dann ebenfalls WIRKLICH gut anfühlt, benötigt man ebenfalls eine dieser wenigen Tanzpartnerinnen.

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    1. Hallo Süden, das klingt doch gut – beruhigend zu wissen, daß ich noch etwas Spaß vor mir habe und nicht auf meinem Top-Elite-Spitzentänzer-Thron vereinsamen muß. Oder – mir kommt gerade ein Wort in den Sinn, Shoshin. In meinem Verständnis die Fähigkeit, sich den staunenden Kinderblick zu bewahren.
      Was deine Frage nach „was geht denn nicht-eng besser“ angeht – ich versuche Selbstzitate möglichst selten zu machen, aber besser als in diesem Post kriege ich es glaube ich nicht wieder hin: https://tangoblogblog.wordpress.com/?s=mini-me
      Wobei es natürlich eine Definitionssache von „gut anfühlen“ ist und insofern wieder nicht wirklich diskutierbar.

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  5. Ha, ha, “ die verbandelten Damen, die nicht nur eine zweibeinige Eintrittskarte ihr Eigen nennen“! Habe mich schön beömmelt! Bin selber so eine, aber mag GS trotzdem nicht. (Oute mich als eine der drei Damen, die Dir widersprüchlich erscheinen.)

    Also, es kommt vor dass meine zweibeinige Eintrittskarte und ich auf Bälle gehen, aber nie auf ein Encuentro. Dann nehmen wir GS mal in Kauf. Letztens waren auf einem schönen Maskenball, zu dem man sich nur paarweise anmelden konnte. Wir hatten Lust auf das Maskengetue und das Ambiente, und es war wirklich eine sehr wunderbare Veranstaltung, auch wegen der Live-Musik dort. Die GS haben wir notgedrungen in Kauf genommen, aber natürlich war es für mich auch praktisch.

    Ich bin immer für maximale Freiheit und minimale Regelung, allerdingsbin ich für Kinderstube, Sensibilität und soziales Gespür. Wenn schon Regeln, dann lieber mal so lustige und einmalige wie: alle verkleiden sich und tragen eine Maske. Die Entwicklung, dass es immer mehr Regelungswerke im Tango gibt, finde ich erschreckend. Lieber lass ich mich vom Schicksal überraschen.

    Mir macht es nichts aus, öfter mal zu sitzen. Ich habe schon ganz wunderbare Tandas erlebt, und ganz schreckliche. Aber letztere sind auch eine interessante Erfahrung. Man sollte sich von den Herausforderungen überraschen lassen.Noch nie war ich auf einem Encuentro und werde auch nie hingehen. Das Regelwerk dort läuft meinem Freiheitsdrang extrem zuwider und erinnert mich viel zu stark an Vorschriftenkataloge eines Kleingärtnervereins.

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