Two to tango

20160406_125755

Ich war ja vor kurzem auf dem Zuckerberg, um einen Blick auf Herrn Kröters Texte zu werfen. Jetzt muß ich etwas gestehen.

Obwohl ich behauptet habe, gleich wieder von dort zu verschwinden, habe ich doch noch mal kurz bei Iona May Italia vorbeigeschaut (aka Terpsichoral Tangoaddict). Wie ich schon mehrfach, ganz und gar ernstgemeint, spaß- und ironiefrei, gesagt habe, bin ich ein Riesenfan ihrer Art zu schreiben. Ich werde wohl nie die Hoffnung aufgeben, ihre Texte eines Tages doch wieder im freien Web zu lesen.

Gefunden habe ich einen herrlichen Text, den ich hiermit offiziell verlinke:

https://m.facebook.com/story.php?story_fbid=975957672497633&id=100002502284000

Damit meine Inkonsequenz nicht so auffällt, hier noch ein Link auf einen Artikel, der absolut nichts mit Tango zu tun hat, den ich aber aus Gründen, über die ich bitte angemessen zu rätseln – recht unterhaltsam fand: http://www.spiegel.de/netzwelt/gadgets/hans-magnus-enzensberger-replik-auf-seinen-wutausbruch-a-1088010.html

P.S.: By the way, Iona May. In one of your other (great) posts you write about how it is wrong to try to make friends with „Tango VIPs“ just to get some dances with them. I fully agree…I just realized that there is a certain irony in this. After all, Sugarmountain is the place where things circle around „friends“ and „likes“.  I apologize for not having enough time to write a beautifully crafted text about this issue… xoxo Yokoito.

 

2 Gedanken zu “Two to tango

  1. Hallo Yokoito,

    ja, den Text von Iona May finde ich auch sehr erfrischend, ebenso die Übersetzung von Gerhard Riedl, die von Erika-Fuchser Qualität ist.

    Hier möchte ich aber zu dem Enzensberger-Artikel kommentieren. Ich gebe zu, den Text von Enzensberger selbst nicht gelesen zu haben, nur den Kommentar aus dem Spiegel. Da hat es mir schon in den Fingern gejuckt, meinen Senf dazu zu geben. Witzig fand ich besonders: „Ob ihn Abkürzungen und „Formulierungen“ wie Chevrolet, VW, AEG, MGM, BMW, ABS, Edeka, Langnese, Pleuelstange, Glühzünder-Zweitakter oder Desoxyribonukleinsäure, die nicht der digitalen Gegenwart entstammen, ähnlich verärgern, teilt der Autor nicht mit.“

    Bevor ich spekuliere, was Dich motiviert, auf diesen Artikel hinzuweisen, ein paar Thesen von mir:

    Enzensberger ist ein Anti-Nerd, er hat Angst vor Technik. Zwar verstärkt sich dieses Phänomen im Alter wenn die geistigen Fähigkeiten nachlassen, aber die Grundhaltung dazu ist altersunabhängig und leider weit verbreitet. Mein verstorbener Vater (ähnlicher Jahrgang wie Enzensberger) war ein Nerd. Vor über 40 Jahren investierte er 2000 Mark in einen Taschenrechner, der heute ein Euro kosten würde. Er freute sich wie ein kleiner Bub über sein neues Spielzeug ud schwärmte begeistert von den Möglichkeiten, die Computer in Zukunft eröffnen würden. Ich denke oft, dass er all die neuen Techniken so genossen hätte, schade, dass er all dies nicht mehr erlebt hat.

    In meiner beruflichen Laufbahn (bin Naturwissenschaflerin) war ich zunächst unter meinesgleichen, dann hat es mich in eine Umgebung verschlagen, in der ich vor allem mit Gesellschaftswissenschaftlern zu tun habe. Das ist doch eine andere Mentalität. Die haben alle erst mal Angst vor Technik und Computern und wehren jede Neuerung so lange ab, wie es nur geht. Bloß keine Änderung!

    Die neuen Technologien sind auch politisch, aber nicht, wie Enzensberger das meint (seiner Meinug nach zerstören sie angeblich die gute alte Zeit und Kultur und überfordern mit ihrem Jargon die Opas und Omas), sondern in dem Sinne, dass sie das Potential haben, die Kontrolle über Menschen und ihr Privatleben zu übernehmen. Das sollte ein Thema für Gesellschaftswissenschaftler sein, aber wie gesagt, die sind zu ängstlich. Lieber geben sie weiterhin Geld für das Microsoft Office aus, statt zu Open-Source-Software umzuschwenken. O Gott, da müsste man sich ja neu einarbeiten! Oder der Vorschlag, in das E-Mail-Programm die Möglichkeit einer Verschlüsselung einzubauen, damit einem ein Whlstleblower schreiben kann, ohne dass die NSA mitliest: Um Himmels willen, das ist ja viiiiel zu kompliziert usw. Wer sich um solche politischen Aspekte kümmert, sind stattdessen wieder die Nerds (Chaos Computer Club, Piraten, Naturwissenschaftler….), aber nicht die Polologen, die doch eingentlich zuständig wären. Enzensberger sollte eher mal darüber nachdenken, wie unser Leben mit den neuen Technologien weiterhin freiheitlich und demokratisch gestaltet werden kann.

    Da unser Tango Diavolo ja eine gewisse Nähe zur Fetisch-Szene hat, und wir uns auch damit beschäftigen, Tanzpartner zusammenzuführen, manchmal auch im Kontext komplizierter Beziehungsdramen, bieten wir auch die Möglichkeit, uns PGP-verschlüsselte Mails zu schicken, die lesen garantiert nur mein Mann und ich und sonst niemand, auch nicht Facebook oder die NSA.

    Konservativismus entsteht auch aus der Angst vor Veränderungen und vor allem aus Bequemlichkeit. Ham wa ja noch nie gemacht, das gab es früher auch nicht. Diese Haltung kommt denen entgegen, die Übleres im Sinn haben, z.B. Datenschnüffelei. Zu denen zähle ich auch Gesichtsbuch.

    Meine Tango-Sammelei würde mir nur mit CDs nicht halb so viel Spaß machen. Ich habe die alle auf meiner Festplatte, ein edles Soundmodul und gute Kopfhörer, sortiere und katalogisiere die, höre hier und da, vergleich usw. Dafür genieße ich die wunderbare Technik, die es heute gibt. Ist doch schöner als alte Schrummelaufnahmen.

    Du bittest darum zu rätseln, was Dich bewegt, auf diesen Artikel hinzuweisen. Ich vermute, es geht um den Zusammenhang zwischen dem Verlust der Neugier auf Neues, Denkfaulheit und Konservativismus, und darüber haben wir uns ja schon öfter auch im Zusammenhang mit Tango aufgeregt.

    Gefällt mir

    1. Liebe Annette,
      danke für Deinen Kommentar. Naturwissenschaftlerin. Ich hatte mir schon so etwas gedacht – es war so etwas wie eine Farbe oder Schwingung in Deinen bisherigen Kommentaren. Eine positive. Das ist schon deswegen keine Schmeichelei, weil ich selbst Naturwissenschaftler bin (na ja, in der Softwarebranche gelandet).

      Das richtige Level von Technophilie ist eine komplizierte Angelegenheit. Meine eigene Einstellung – soweit man es überhaupt in Kurzform beschreiben kann – ist „Pragmatismus“ – genauso wie bei Weltanschauungen sehe ich mir den Nutzen an und selektiere; wichtig ist mir vor allem eine breitbandige Sicht. Falls Du noch freie Zeit zum Lesen hast, empfehle ich zwei Bücher: „Antifragility“ von Nassim Nicholas Taleb, und „The Cult of the Amateur“ von Andrew Keen. Es ist nicht so, daß ich Anhänger einer der beiden wäre; sie bieten aber andere Blickwinkel auf eigentlich bekannt Geglaubtes. Taleb ist mir eingefallen, weil er den Begriff „Neomania“ aufgreift (und kräftig dagegen austeilt), und Keen vertritt auch die Ansicht, das Internet zerstöre unsere Kultur. Allerdings etwas fundierter und, zumindest in meinem Verständnis, auch wenig fundamentalistisch.

      Was mich zu Enzensberger bringt. Ich bin oder war kein Verehrer seines Werks, dafür bin ich zu wenig Intellektueller und habe es auch nicht so mit dem Verehren. Aber ich glaube schon, daß er ein paar gute Gedanken geliefert hat. Was Deine Vermutung angeht: ich würde sagen, Volltreffer. Ich weiß allerdings nicht, ob Enzensberger versucht, sich die Deutungshoheit über irgendwelchen Lagerfeuern anzueignen wie Terpsis „Ziel“-Gruppe im Tangobereich – und dabei den Zwängen des „sich selbst immer aufs neue toppen“ erlegen ist. Oder ob er sich „einfach so“ irgendwann einfach gedanklich verrannt hat – beziehungsweise stehengeblieben ist.

      Gefällt mir

Kommentar verfassen

Trage deine Daten unten ein oder klicke ein Icon um dich einzuloggen:

WordPress.com-Logo

Du kommentierst mit Deinem WordPress.com-Konto. Abmelden /  Ändern )

Google Foto

Du kommentierst mit Deinem Google-Konto. Abmelden /  Ändern )

Twitter-Bild

Du kommentierst mit Deinem Twitter-Konto. Abmelden /  Ändern )

Facebook-Foto

Du kommentierst mit Deinem Facebook-Konto. Abmelden /  Ändern )

Verbinde mit %s

This site uses Akismet to reduce spam. Learn how your comment data is processed.